24.03.2019 | Verein

Fortunen in Tschechien

Von Terezín nach Prag

Am zweiten Tag der Studien- und Gedenkfahrt begab sich die Fortuna-Gruppe in Terezín in die so genannte „Kleine Festung“. Dort hatten sie bereits am Ankunftstag am Davidstern-Denkmal innerhalb des Gräberfeldes einen Kranz im Namen des Vereins und in stillem Gedenken niedergelegt.

Neben dem Ghetto in der „Großen Festung“ Terezíns hatte die Geheime Staatspolizei sich ein eigenes „Denkmal“ gesetzt, in dem sie und nicht, wie sonst üblich, die SS die Leitung über die wie ein Konzentrationslager angelegte Einrichtung übernahm.

Das KZ schien dabei außergewöhnlich formale Bedingungen zu erfüllen - beispielsweise mit einer Poststelle. Hier wurden allerdings sämtliche eingehende Pakete kontrolliert und in den allermeisten Fällen konfisziert, vulgo: geplündert, und ausgehende Briefe zensiert oder direkt vernichtet.

Es gab eine Kleiderkammer, in der ab einem gewissen Zeitpunkt die zumeist hochwertige Kleidung der Ankommenden gegen Lagermontur getauscht werden musste. Im Rahmen des Propaganda-Films „Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“ wurde auf dem Areal sogar eine Wasch- und Rasierstube eingerichtet - wohl einzig genutzt für die Aufnahmen in dem Streifen - und die Inspekteure des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, die das Lager besichtigten.

Ebenfalls den Schein wahren wollte man mit dem „Kolumbarium“. Denn während bis Herbst 1942 Tote in Massengräbern vor den Mauern der Stadt bestattet wurden, ließ die Lagerleitung Ende 1942 ein Krematorium errichten. In der Nähe der Totenkammern wurden dafür Räume zur Aufbewahrung der Asche eingerichtet, in denen Tausende von Gefäßen gelagert waren. Nach der Einäscherung der Verstorbenen wurde es zum Usus, die Asche einzusammeln, doch nicht in Aschenkrügen, sondern Papiertüten oder Blechbüchsen aufzuheben, die mit den Namen und den Registrationsnummern der Verstorbenen versehen waren.

Nach der detailreichen Besichtigung der „Kleinen Festung“ übernahm der so genannte „Freiwilligendienst“ der Gedenkstätte die Regie. Im Rahmen eines mehrstündigen Workshops erhielten die Teilnehmer*innen ausgewählte Biographien von in Terezín Inhaftierten und sollten diese reflektierend auswerten. Diese Aufgabe, sich mit konkreten Schicksalen zu befassen, sorgte für nachhaltigen Eindruck.

Anschließend ging es nach Prag. Der Abend und der frühe Samstagvormittag standen den Reisenden zur freien Verfügung, um die Moldau-Metropole zu erkunden.
Ab 11 Uhr folgte eine englischsprachige Führung durch die Stadt, um den konkreten Einfluss der Nationalsozialisten während des Dritten Reiches, explizit ab 1939, kennen zu lernen. Zahlreiche Mahnmale, die im Lauf der vergangenen Jahrzehnte an Häusern angebracht oder aufgestellt wurden, erinnern an ein auch zur Zeit der Nationalsozialisten stolzes Volk, das um seine Freiheit und die nationale Identität zu kämpfen bereit war.

Einer der einschneidendsten Momente war dabei unbestreitbar das Attentat auf Reinhard Heydrich, SS-Obergruppenführer, stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, dem auch der Ruf als „Schlächter von Prag“ vorauseilte. Er fiel am 27. Mai 1942 einem Anschlag zweier tschechischer Widerstandskämpfer zum Opfer.

Doch die Konsequenzen dieser Tat, an dessen Folgen Heydrich eine Woche später verstarb, waren verheerend. Die Täter selbst wurden am 18. Juni in der St. Cyril & Methodius-Kirche nach erbittertem Kampf mit der Sicherheitspolizei und Verbänden der SS erschossen. Adolf Hitler hatte zuvor die persönliche Anweisung gegeben, dass als Vergeltung zwei tschechische Ortschaften dem Erdboden gleichgemacht und alle männlichen Einwohner sofort exekutiert wurden. Frauen und Kinder wurden in Konzentrationslager deportiert.

Als erster Ort war dies Lidice. Ein heute beschaulicher, friedlicher Platz, der mit eindrücklichen (Boden-)Denkmälern und Mahnmalen eine geradezu verstörende Atmosphäre ausstrahlt. Zu spürbar war dieser Widerspruch, der wiederum alle aus der Gruppe tief zu beeindrucken wusste.

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