25.03.2019 | Verein

Letzter Tag in Prag und Rückfahrt

Ende der ersten eigenen Fortuna Studien- und Gedenkfahrt

Eine sehr intensive Fahrt für Mitglieder und Fans der Fortuna nach Tschechien ist am Sonntagabend offiziell zu Ende gegangen. Es war die erste Reise dieser Art, die von der Fortuna komplett in Eigenregie durchgeführt worden ist. Und hat bei allen, die mit dabei waren, bleibende, positive Eindrücke hinterlassen.

Der Sonntagvormittag stand nochmals zur freien Verfügung und einige nutzten dies, um in Prag beispielsweise die Burg kennenzulernen oder an der Moldau spazieren zu gehen.

Ab mittags galt es, Josefov, die spätere Josephstadt zu erkunden, die ihre Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert hat. Es handelte sich um ein überwiegend von Juden bewohntes Areal, das durchaus Ghettocharakter hatte. Doch spätestens als 1848 die allgemeinen Bürgerrechte für Juden in Böhmen ausgerufen worden waren, konnten sich Einwohner mosaischen Glaubens in ganz Prag niederlassen, wodurch ein umfassender Wandel in dem Viertel stattfand.

Die Gegend erlebte einen herben Abstieg, galt zuweilen als asozial, worauf bis Anfang der 1910er Jahre fast alle Gebäude abgerissen wurden. Immerhin finden sich daher heute wunderschöne Gründerzeit-Ensemble und -Straßenzüge, die in ganz Europa einzigartigen Charakter haben dürften.

Aus der Bevölkerung kam es immerhin zu Widerstand, weshalb in diesem Umfeld sechs bedeutsame Denkmäler erhalten geblieben sind: Der alte Jüdische Friedhof, dessen Ursprünge ins 15. Jahrhundert zurückreichen, und auf dem über 12.000 Grabsteine und mehr als 100.000 Menschen beerdigt liegen. Die letzten Beerdigungen fanden Ende des 19. Jahrhunderts statt. Die Zeremonienhalle aus der Neorenaissance wie auch das Alte Jüdische Rathaus aus dem 16. Jahrhundert sind bis heute ebenso zu besichtigen, wie einige Synagogen, auch wenn diese teilweise profanisiert wurden. Hierzu zählen die Pinkas- und die Klausen-Synagoge, die Hohe Synagoge oder die Altneu- und die Maisel-Synagoge ganz in der Nähe.

Ebenfalls in dieser Gegend steht das Geburtshaus von Franz Kafka, einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts mit Werken wie „Der Proceß“ oder „Die Verwandlung“. Ihm zu Ehren hat man ein monumentales und in seiner Wirkungskraft bedeutsames Denkmal aufgestellt. Und in diese Gegend passt die Skulptur, denn sie gibt sein gespaltenes Verhältnis zu seinem Elternhaus und zu seinen jüdischen Wurzeln wider.

All diese Informationen wurden durch eine bestens informierte Mitarbeiterin des Jüdischen Museums vorgestellt, erläutert und auf Nachfragen vertieft. Als optischer Höhepunkt entpuppte sich die „Spanische Synagoge“, die in maurischem Stil in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Sie ist prägnanter Ausdruck liberalen, jüdischen Glaubens, der sogar zuließ, dass Männer und Frauen in dem Betraum zugelassen waren und zwei Orgeln in den Räumlichkeiten vorhanden sind. An eine Kirche erinnernd, wird die Pracht der Synagoge durch eine umfangreiche Sammlung von Zeremoniengegenständen und einer großen Dokumentation aus der Geschichte des Gebäudes und eben jenes Viertels.

Den Abschluss fand der Tag bei einem gemeinsamen Abendessen im ältesten koscheren Restaurant Prags, dem „King Solomon“. Die Speisen, die gereicht wurden, werden nach streng rituellen Vorgaben zubereitet. Diese durch die Religion vorgegebenen Bestimmungen, Rituale und Regeln wusste der Besitzer in einem ausführlichen Beitrag aufzuzeigen. Gleichzeitig zeigte er aber - mit einem Augenzwinkern - auch gewisse Widersprüche in der jahrtausendealten Essenskultur des jüdischen Volkes auf.

Am Montagmorgen begab sich die Gruppe wieder auf den Rückweg. In Gedanken an fünf Tage in Tschechien, die einmal mehr Völkerverbindung aufzeigte und europäisches Bewusstsein gestärkt haben dürfte. Dank gilt der herzlichen Gastfreundschaft in den Hotels und Gaststätten, allen Helfern und somit auch Busfahrer Peter Wolter von Fortuna-Reisepartner Donell.

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