29.03.2016 | Yesterday

Toni Turek

Fortunas Weltmeistertorhüter und "Teufelskerl" von 1954

Nicht zuletzt aufgrund seiner Paraden gelang der Nationalmannschaft am 4. Juli 1954 das „Wunder von Bern“. Durch den 3:2-Erfolg über Ungarn wurde Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister. Ohne die Heldentaten von Anton „Toni“ Turek wären somit viele Bücher nicht geschrieben oder Filme nicht gedreht worden. Auch die Radioübertragung von Reporter-Legende Herbert Zimmermann wäre weitaus weniger emotional ausgefallen…

  • Toni Turek im Einsatz

  • Das Denkmal für Toni Turek vor der Arena

  • Turek auf dem Balkon des Hoffelder Hofs

  • Toni-Turek-Haus am Flinger Broich

Turek erlernte das Fußballspielen in seiner Geburtsstadt Duisburg, wo er am 18. Januar 1919 das Licht der Welt erblickte. Über die Süd-Oberligisten Eintracht Frankfurt und SSV Ulm kam er 1950 zur Fortuna. Hier bestritt der gelernte Bäcker 133 Partien in der Oberliga West, der damals höchsten Spielklasse. 1955 schloss er sich in Folge einer Verletzung, nach der er seinen Stammplatz bei den 95ern verlor, dem VfL Borussia Mönchengladbach an, bevor er 1956 seine Karriere beendete. 

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete Turek noch einige Jahre als Trainer bei der Fortuna, ebenso bei Ratingen 04 und dem FC Büttgen und später als Angestellter bei der Rheinbahn. Denn Reichtümer konnten Fußballer in jenen Zeiten nicht anhäufen. „Ich bedauere aber nicht, dass mir der Fußball nicht das ganz große Geld gebracht hat. Ich bin mir da mit Fritz Walter einig. Wir haben die schönere Zeit mitgemacht, hatten ein besseres kameradschaftliches Verhältnis untereinander als die Profis heute“, sagte er später einmal im Rückblick. 

Im Herbst 1973 erkrankte Turek an einer heimtückischen Krankheit. Als er am 11. Mai 1984 verstarb, hinterließ er seine Frau und zwei Kinder sowie ein bewegtes und bewegendes Fußballerleben…

Die Ruhe zwischen den Pfosten in Person

Toni Turek galt als exzellenter Torhüter, zu dessen wesentlichen Stärken eine hohe Reaktionsschnelligkeit, mit der er gegnerische Stürmer schier zur Verzweiflung brachte, Übersicht und stoische Ruhe gehörten. Letzteres ließ mitunter sogar Nationaltrainer Sepp Herberger die Haare raufen, denn sein Torhüter blieb zuweilen bei Bällen, die nur um Zentimeter das Tor verfehlten, ungerührt auf der Linie stehen, weil er nach eigenen Angaben anhand der Körperhaltung seiner Gegenspieler die Laufbahn des Balles erahnen konnte! 

Im DFB-Team kam er auf 20 Einsätze - darunter die fünf wichtigen Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, wo er als ältester Spieler des Turniers antrat. Zudem ist er der einzige deutsche WM-Torhüter, da er bei der 3:8-Niederlage gegen Ungarn in der Vorrunde nicht eingesetzt wurde, der kein einziges Weltmeisterschaftsspiel verloren hat! 

Dabei hatte Turek erst am 22. November 1950, also im hohen Fußballeralter von 31 Jahren, seinen ersten Einsatz in der deutschen Nationalelf - gegen die Schweiz - und dies, obwohl er bereits mit 16 Jahren im berühmten Notizbuch von Herberger stand. Doch bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und seine Kriegsgefangenschaft kam er erst so spät zu seinem Länderspieldebüt.

Der „Fußballgott“ sichert Deutschland den WM-Titel

Unvergessen ist bis heute nicht nur der legendäre 3:2-Sieg am 4. Juli 1954 im Finale gegen Ungarn, sondern auch die Rundfunk-Reportage von Herbert Zimmermann, die bei vielen Fußballfans längst Kult-Status erreicht hat. Denn selbst der ansonsten eher ruhige und besonnene Journalist kommentierte im Endspiel eine Parade Tureks mit den denkwürdigen Worten: „Die ungarischen Verteidiger rücken an, heben den Ball in den deutschen Strafraum, da ist Hidegkuti - drei Meter vor dem deutschen Tor - Schuss! Abgewehrt, abgewehrt zur Ecke! Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott! Entschuldigen Sie die Begeisterung, die Fußballlaien werden uns für verrückt erklären …“

Nur wenige Minuten später schrie er mit heiserer Stimme ins Mikrofon: „Gehalten von Toni – gehalten! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“ Der Rest ist deutsche Fußballgeschichte.

Sein triumphaler Empfang in Düsseldorf geriet laut Augenzeugenberichten zu einem Rosenmontagszug im Sommer.

Ehrungen und Würdigungen nach seinem Tode

Von den Fortuna-Anhängern wurde Toni Turek vor einigen Jahren auf seiner Torwartposition in die Jahrhundert-Elf des Clubs gewählt. Im Frühjahr 2012 wurde die Geschäftsstelle der Rot-Weißen am Flinger Broich offiziell als „Toni-Turek-Haus“ eingeweiht. 

Am 4. Juli 2014, also auf den Tag genau 60 Jahre nach dem „Wunder von Bern“, wurde nach jahrelanger Planung und Finanzierung vor der ESPRIT arena ein lebensgroßes Denkmal enthüllt. Ein Fortuna-Idol zum Anfassen für die Nachwelt, die besonders stolz auf diesen Fußball-Helden im F95-Trikot sein darf.

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