17.05.2016 | Yesterday

Matthias „Matthes“ Mauritz

Rekordspieler und sportliches Multitalent

Für Matthes Mauritz gilt für immer: Er war und ist ein echter Düsseldorfer Jong und mit Herz und Seele Fortune. Zugleich war er einstmals Rekord- und Nationalspieler, ein wahres sportliches Multitalent und sympathischer Sportsmann obendrein. Von 1945 bis 1960 absolvierte Mauritz für die Rot-Weißen 760 Spiele und erzielte dabei 108 Tore. 1979 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Der Fußball war jedoch nur eine von drei Sportarten, die Mauritz nahezu perfekt beherrschte und die ihm zudem nationalen Ruhm einbrachten sowie zu zwei Teilnahmen an den Olympischen Sommerspielen verhalfen. 1940 wurde er mit dem DSC 99 deutscher Jugend-Meister im Feldhockey und spielte für die Jugend-Nationalmannschaft. Im Tennis gewann er die Niederrhein-Meisterschaft; bei den Senioren viermal den Europameistertitel und sogar 21 Mal die Deutsche Meisterschaft. Immerhin brachte er es im Jahr 1958 in der deutschen Rangliste bis auf Position 11. In der Leichtathletik hätte er wohl ebenfalls gute Chancen auf Erfolge gehabt. In späteren Lebensjahren wurde er zum passionierten Hobby-Golfer und erreichte hier immerhin Handicap 18.

Der Weg zum Fußball und zur Fortuna

Am 13. November 1924 erblickte Matthes - lediglich seine Frau Marianne nennt ihn Matthias - in Düsseldorf das Licht der Welt. Mauritz stammte aus einer Bäckerfamilie und erlernte daher früh den Beruf des Bäckers und Konditors. Zuvor hatte er noch sein "Notabitur“ gemacht, bevor er dann zum Wehrdienst eingezogen wurde. 1945 kehrte er aus englischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt zurück. Bei einem Freundschaftsspiel gegen die Fortuna machte er auf sich aufmerksam und wurde nachher vom Schiedsrichter angesprochen, der kein Geringerer als der Leiter der Vertragsspieler-Abteilung war: „Mein Name ist Hans Körfer, ich bin von Fortuna, und Du gibst mir mal Deine Telefonnummer.“

Doch Mauritz steckte in einem Zwiespalt der Gefühle: „Herr Körfer, ich bin doch kein Fußballer, ich bin Tennis- und Hockeyspieler“, antwortete er. Derartige Einwände zählten für den Fortuna-Trainer aber nicht. Wenig später rief im Hause Mauritz Fortuna-Manager Toni Rudolph an, der Wirt vom Benrather Hof. Sein Vertragsangebot: „Du bekommst ab sofort jede Woche zwei Pfund Fleisch, zwei Brote und drei Abendessen.“ Ein Lohn, der zu jener Zeit deutlich mehr wert war als Münzen und Scheine. Der Fußballer und Fortune Matthes Mauritz war somit geboren.

An der Seite der Deutschen Meister

Sein Debüt gab Mauritz im F95-Trikot am 30. Oktober 1945 gegen die britischen Militärs der Royal Welsh Fusiliers, bei dem ihm vor 15.000 Zuschauern gleich zwei Tore gelangen. In seiner Mannschaft kickten mit Paul Janes und Felix Zwolanowski auch Spieler, die er noch 1933 als Achtjähriger zusammen mit seinem Vater auf der Tribüne des Müngersdorfer Stadions in Köln bewundert und beim 3:0-Triumph über den FC Schalke 04 angefeuert hatte.

Es folgten die so genannten „Kalorienspiele“, die ihren ganz besonderen Reiz hatten: „Wir haben zwischen 1945 und 1949 dreimal pro Woche gespielt, sind immer bis an die holländische Grenze in die Dörfer gefahren. Als Gage gab es etwas zu essen. Wir haben uns so die Bäuche vollgeschlagen, dass wir oft verloren haben,“ berichtete er später von diesen kulinarisch wertvollen Begegnungen. Mit vollem Bauch und vollen Taschen ging es zurück nach Düsseldorf.

Spätberufung zum Nationalspieler

Überzeugen konnte Mauritz vor allem durch seine kämpferische Art, aber auch mit seinen technischen Finessen. Dass er als Rechtsaußen (auch als Halbrechter oder rechter Läufer) immer wieder mit Toren aufzufallen wusste, setzte der Beliebtheit die Krone auf. Diese Einstellung brachte ihm 13 Einsätze in der Amateur-Nationalelf, die 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne an den Olympischen Spielen teilnahm.

In die A-Nationalmannschaft schaffte es Mauritz nur ein einziges Mal, nämlich am 20. Mai 1959 gegen Polen (1:1). Da war er als ältester Debütant aller Zeiten beinahe 35 Jahre alt. Den Einsatz bekam er vom damaligen Bundestrainer Sepp Herberger geschenkt, der so etwas wie sein Mentor und eine Vater-Figur in einer Person für ihn war: „Der wollte mich schon 1952 haben, aber da hätte ich mit dem Tennis aufhören müssen. Das wollte ich nicht!“

Mauritz und „seine“ Fortuna

Dazwischen erlebte er mit den Rot-Weißen sportliche Höhen und Tiefen. In der Oberliga West gehörte die Fortuna meist zum soliden Mittelfeld. Doch gleich zweimal erreichte er mit den Flingeranern das Endspiel um den DFB-Pokal - und verlor. Am 29. Dezember 1957 gab es gegen den FC Bayern München eine 0:1-Niederlage. Ein knappes Jahr später, am 16. November 1958, folgte eine äußerst unglückliche 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart. Sein letztes Spiel für die Flingeraner bestritt er im Mai 1960.

Im Jahr 1979 wurde Matthes Mauritz zum Ehrenmitglied ernannt. Zwischen 1981 und 1982 war er vorübergehend Vizepräsident. Aber auch danach blieb er ohne offizielle Funktion seinem Herzensverein stets verbunden und verfolgte auch im hohen Alter noch regelmäßig die Auftritte der 95er in der Arena oder besuchte die Treffen der Alt-Fortunen, um stets gut gelaunt Dönekes von damals zu erzählen. Am 21. November 2016 ist "Matthes" Mauritz im Alter von 92 Jahren verstorben.

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