04.10.2016 | Yesterday

Heinrich „Heinz“ Körner

1933 führte er die Fortuna zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft

Fortunas Meister-Trainer wurde als Heinrich Krczal am 2. Juli 1893 in Wien geboren. In seiner Fußballerlaufbahn gewann er von 1912 bis 1921 mit dem Traditionsverein SK Rapid Wien siebenmal die Landesmeisterschaft von Österreich-Ungarn. Auch schaffte er den Sprung ins Nationalteam und brachte es dort zwischen 1913 und 1918 auf sieben Einsätze. Nach seiner aktiven Karriere schlug er den Weg als Trainer ein. Eine Berufsentscheidung, von der die Fortuna maßgeblich profitieren sollte!

Bei den Grün-Weißen aus dem Stadtteil Hütteldorf gehörte Krczal zur Stammbesetzung im Angriff. Zu seinen besonderen Vorzügen zählten die Ballbehandlung und das Spielverständnis. In den ersten Jahren spielte er unter dem Beinamen „Doktor“. Diesen erwarb er sich, weil er an seinem ersten Arbeitstag bei Rapid im Frack seines Vaters erschienen war. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte er vorübergehend ins Amateurlager und änderte nebenbei seinen Namen in „Heinz Körner“. Im Jahre 1921 zog es ihn endgültig fort. Nach einem kurzen Gastspiel bei den Stuttgarter Kickers im Deutschen Reich kehrte er nach Österreich zum Lokalrivalen Wiener AF zurück, wo er bis 1924 als Spielertrainer fungierte. Nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit kam er ins Rheinland.

Training mit der Jugend und erste Spielbeobachtungen

In den kommenden 29 Jahren war Körner gleich fünfmal (!) als Trainer bei den Rot-Weißen tätig. Erstmals kam er im Juni 1924 an den Flinger Broich. Der „Treff“, wie ihn die Fortuna-Spieler nannten, wandte eine damals wie heute eher ungewöhnliche Trainingsmethode an. Um bei den Trainingsspielen trotz des kleinen Mannschaftskaders stets genügend Akteure auf dem Platz zu haben, holte er zwei Jugendspieler dazu, die gemeinsam auf einer Position einen Seniorenspieler ersetzten. Um im taktischen Bereich besser auf den kommenden Gegner und damit für das nächste Spiel gerüstet zu sein, ließ der „Trainerfuchs“ - eine für damalige Verhältnisse geradezu revolutionäre Maßnahme - die Gegner beobachten, um akribisch deren Stärken und Schwächen zu analysieren.

Erstmals mit F95-Logo auf der Brust

In der Saison 1924/25 sollte die Mannschaft erstmals in der Vereinsgeschichte mit dem F95-Emblem auf den weißen Trikots auflaufen. Nachdem sein Vertrag aber schon im Januar 1925 auslief, gestaltete er seinen Ausstand auf seine eigene Art mit einer gewissen Portion Humor. In einem Freundschaftsspiel (beim 2:1-Erfolg gegen Fola Esch aus Luxemburg) wechselte er sich selbst ein.

Danach ging er zum Lokalrivalen TuRU 1880 im Stadtteil Oberbilk, doch sollte dieses Gastspiel nur ein kurzes Intermezzo sein. Bereits im Herbst desselben Jahres kehrte er nach Flingern zurück. Bis zum Mai 1928 führte er Regie. In dieser Zeit formte er die Fortuna zu einer nationalen Spitzenmannschaft und legte den Grundstein zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Doch zunächst folgte eine abermalige Trennung. Nach einer Niederlage im dritten Entscheidungsspiel um die Bezirksmeisterschaft am 11. März 1928 bei Schwarz-Weiß Barmen (1:4) durften die Flingeraner nur in der Runde der Zweiten in der Westdeutschen Meisterschaft antreten. Dies genügte den Ansprüchen des Vorstands keineswegs. Auf einer Algerien-Reise (!) mitten in der Saison (womit die Düsseldorfer als erste deutsche Vereinsmannschaft auf afrikanischem Boden spielten) wurde Körner im Frühjahr in Abwesenheit entlassen...

Eine Rückkehr mit Herzklopfen

Aus seiner Enttäuschung über diese stillose Trennung machte er kein Geheimnis. Doch war die „Liebe“ zur Fortuna und der Stadt zu groß, wie er Jahrzehnte später einmal rührend anmerkte: “Als ich … mit den Alt-Internationalen Österreichs den mir wohlvertrauten Boden Düsseldorfs betrat, klopfte mir das Herz fast zum Zerspringen. Die vielen schönen Erinnerungen an diese prachtvolle Stadt, an meine alten Freunde und nicht zuletzt an die sportlichen Erfolge bei Fortuna ... war so ehrend für mich, daß meine österreichischen Nationalspieler aus dem Staunen nicht herauskamen.“

Deutscher Fußball-Meister 1933: Fortuna Düsseldorf

So kam es, dass er nur drei Jahre nach seiner Entlassung zur Saison 1931/32 erneut das Kommando bei den 95ern übernahm. Die Mannschaft war nach Aussage von Ernst Albrecht froh, dass der gebürtige Wiener wieder das Zepter in der Hand hielt. So schätzten alle an ihm, dass er die Kameradschaft förderte und großen Wert auf ein freundschaftliches Verhältnis untereinander legte. So saß er oft mit seinen Spielern im Hoffelder Hof oder im Zoo-Restaurant. Paul Janes sagte einmal über den Meistertrainer: „Vielleicht lag gerade in der geschickten Menschenführung das Geheimnis seines Erfolges mitbegründet.“

Letztlich sollte seine dritte Amtsperiode auch die erfolgreichste werden. In der Spielzeit 1932/33 sollte der große Wurf gelingen. Nach dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft folgte der souveräne Durchmarsch in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Mit sagenhaften 16:0 Toren in den Spielen gegen Vorwärts Gleiwitz in der Vorrunde, Arminia Hannover im Viertelfinale und Eintracht Frankfurt in der Vorschlussrunde zogen die Rot-Weißen ins Finale ein. Am 11. Juni 1933 wurde dann im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der favorisierte FC Schalke 04 mit 3:0 besiegt. Die Treffer vor 60.000 Zuschauern im Müngersdorfer Stadion in Köln schossen Felix Zwolanowski, Paul Mehl und Georg „Schorsch“ Hochgesang. Körner hatte aus Flingeraner Straßenfußballern und einigen Neuzugängen ein starkes Kollektiv mit spielerischem Potenzial geformt. Er selbst sagte zu seinem System: „Wir haben gewonnen, weil wir die richtige Taktik anwandten. Wir haben die Außen der Schalker durch unsere Hintermannschaft abgedeckt und unsere Verbindungsstürmer haben selbst die Schalker Innenleute ständig beunruhigt.“

Bei der Ankunft des neuen Deutschen Meisters säumten geschätzte 100.000 Menschen die Straßen Düsseldorfs und feierten ihre rot-weißen Helden. Die Meisterspieler genossen einige Privilegien - so erhielt jeder von ihnen Brötchenlieferungen frei Haus, konnte in Metzgereien eine ganze Weile kostenlos einkaufen oder bekam Zigarren und Zeitungen geschenkt. Es waren eben andere Zeiten!

Der dritte Rauswurf und das vierte Engagement bei F95

In der folgenden Saison verspielten die Fortunen die Bezirksmeisterschaft um nur einen einzigen Gegentreffer. Allzu sorglos agierend musste am Ende dem Lokalrivalen VfL Benrath aufgrund des Divisionsverhältnisses der Vortritt gelassen werden. Die Ehe „Körner-Fortuna“ wurde wieder einmal geschieden... Denn noch einmal kehrte er nach einem Trainer-Intermezzo beim FC Bayern München im Sommer 1938 als Chefcoach der Fortuna in seine Lieblingsstadt zurück. Bis 1941 saß er auf dem Trainerstuhl, doch ein weiterer nationaler Erfolg wollte sich leider nicht mehr einstellen.

Der fünfte und letzte Amtsantritt am Flinger Broich

Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges kehrte Körner im Oktober 1951 nochmals in sein geliebtes Düsseldorf zurück und wurde erneut Trainer bei der Fortuna. Doch bei seinem letzten Engagement landete er mit der Mannschaft in beiden Spielzeiten in der Oberliga West nur auf einem Mittelfeldplatz. Nachdem er noch einige Vereine in der Region trainiert hatte, kehrte er in seine österreichische Heimat zurück, arbeitete als Sportlehrer und betreute den Zweitligisten SV Wimpassing.

Am 8. Dezember 1961 verstarb Heinrich „Heinz“ Körner im Alter von nur 68 Jahren.

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