29.11.2016 | Yesterday

Gerd Zewe

Fortunas Ehrenspielführer, DFB-Pokalsieger und Nationalspieler

Auf 440 Einsätze in der Fußball-Bundesliga brachte es Gerd Zewe in seiner aktiven Zeit von 1972 bis 87 bei der Fortuna. Damit ist er Spitzenreiter in der internen Spieler-Rangliste. Zweimal wurde er mit den Rot-Weißen DFB-Pokalsieger. Im Sommer 2016 wurde er zum Ehrenspielführer ernannt. Hinzu kommen zahlreiche Einsätze auf der internationalen Fußball-Bühne mit den 95ern sowie im deutschen Nationalmannschaftstrikot.

Geboren wurde Zewe im saarländischen Stennweiler. Aus finanziellen Gründen waren Familienurlaube eine Seltenheit. Somit wurde der Bolzplatz in jungen Jahren seine zweite Heimat. Diese frühe Neigung und der Drang, sich immer weiter zu verbessern, dürften der Grund dafür sein, warum aus ihm später ein leichtfüßiger Ballvirtuose werden sollte. Ab Ende der 1960er Jahre wechselte er nach Neunkirchen, wo er mit der Borussia in der damals zweitklassigen Regionalliga um Punkte kämpfte. In dieser Zeit traf er erstmals auf die Fortuna, da sich beide Vereine in der Aufstiegsrunde 1970/1971 um die Rückkehr in die Bundesliga bemühten. Neunkirchen hatte das Nachsehen; die Fortuna stieg auf und lockte ein Jahr später den besten Spieler der Südwestdeutschen an den Rhein. Die Ablösesumme betrug 180.000 D-Mark (ca. 92.000 Euro). Trainer bei den Flingeranern war Heinz Lucas. Er hatte die Mannschaft nicht nur ins Fußball-Oberhaus geführt, sondern sie zu einer Einheit geformt, in der nicht einzelne Stars im Vordergrund standen, sondern das Team.

Premierensaison endet auf dem 3. Platz

Schon in der Vorbereitungszeit auf die Saison 1972/73 gelang es Zewe, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. So äußerte sich damals sein Trainer: „Dass er in unsere Mannschaft gehört, daran dürfte nach den Ligapokal- und Freundschaftsspielen kein Zweifel bestehen.“ Bereits im ersten Meisterschaftsspiel gehörte Zewe zur Startelf und es sollten viele weitere Einsätze folgen. In seinem Debütjahr in der Bundesliga absolvierte er alle 34 Ligaspiele und beendete die Saison mit der Fortuna auf einem hervorragenden dritten Rang. Die gleiche Platzierung sollten die Flingeraner mit ihm ein Jahr später wiederholen.

Dabei spielte Zewe in seiner Anfangszeit in Düsseldorf im Mittelfeld, wo er als glänzender Techniker zu gefallen wusste. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zum Abwehrspezialisten und füllte den Posten des freien Mannes bis zur Perfektion aus. Ein Verdienst von Trainer Dietrich Weise, der seine Umschulung auf dem Platz forciert hatte. Mit seiner leichtfüßigen Spielweise und seinen klugen Pässen durfte Zewe durchaus in die Kategorie des Weltklasse-Liberos eingestuft werden.

Am 23. Juni 1979 (1:0 nach Verlängerung gegen Hertha BSC) und am 4. Juni 1980 (2:1 gegen den 1. FC Köln) wurde er mit der Fortuna DFB-Pokalsieger. Am 16. Mai 1979 stand er mit den Rot-Weißen im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger, in dem die 95er bekanntlich mit 3:4 nach Verlängerung dem FC Barcelona unterlagen. Zudem verlor die Fortuna in diesem Match mit Gerd Zimmermann und Dieter Brei zwei wichtige Spieler durch schwere Verletzungen. Doch es kam noch schlimmer. In den folgenden Jahren verließ das kongeniale Brüderpaar Allofs die Fortuna und weitere Spieler folgten. Einer jedoch blieb: Gerd Zewe. Und das, obwohl Günter Netzer, damals Manager beim Hamburger SV, ihn schon 1979 mit einem lukrativen Angebot an die Alster lotsen wollte. Es sei, so Zewe, „an der hohen Ablösesumme gescheitert. Ich war aber letztlich immer sehr froh, hier geblieben zu sein.“ Es war eine Vereinstreue bis zum Schluss. Am 17. Juni 1987 absolvierte der Routinier im Alter von 37 Jahren sein letztes Bundesligaspiel. Nach dem Abstieg der Fortuna aus der Bundesliga beendete er seine Karriere.

Im Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust

Bereits früh in seiner Profi-Karriere wurde er von Bundestrainer Helmut Schön in die deutsche Juniorennationalelf berufen. Später schaffte Zewe über die damals noch existierende B-Nationalmannschaft den Sprung in die A-Mannschaft und brachte es (unter dem neuen Bundestrainer und Ex-Fortunen Jupp Derwall) 1978-79 auf vier Einsätze (0 Tore). Negativer Höhepunkt war in dieser Zeit sicherlich das schwache Abschneiden der DFB-Elf bei der Fußball-WM 1978 in Argentinien, als Zewe zwar zum Kader gehörte, aber nicht eingesetzt wurde. Vielleicht hätte es mit ihm als Libero die „Schmach von Cordoba“ gegen Österreich nie gegeben…

Soziale Verantwortung übernommen

In späteren Jahren wurde er Trainer bei verschiedenen Amateurvereinen rund um Düsseldorf und am Niederrhein. 1998/99 war er bei den Rot-Weißen Co-Trainer unter Chefcoach Klaus Allofs. In der heutigen Zeit trainiert Zewe in der „Bolzplatzstiftung“ mit seinen ehemaligen Mannschaftskameraden Wilfried Woyke und Egon Köhnen Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien. Außerdem führt er den Ball in der im Jahr 2015 neu begründeten Traditionsmannschaft am Fuß - natürlich als Kapitän, mit dem ihm angeborenen Ehrgeiz und der Anmutung an alte Tage erinnernd, die nicht nur Fans, die ihn haben spielen sehen dürfen, noch immer begeistert.

Zahlen über Zahlen

Insgesamt stehen bei Gerd Zewe sogar 560 Pflichtspiele in den Statistiken. Dies waren im Einzelnen: 440 Meisterschaftsspiele (42 Tore), 54 Einsätze im DFB-Pokal (3 Tore) sowie sechs im Ligapokal (1972/73), 29 Spiele im Europapokal (2 Tore im UEFA-Cup und Europapokal der Pokalsieger) sowie 31 Partien in der Intertoto-Runde. Im Nationalmannschaftsdress lief er viermal auf (1978-79). Dies sind durchaus beeindruckende Zahlen!

Im Sommer 2016 wurde Gerd Zewe - auf Initiative der „AG Fortuna-Geschichte“ vom Verein zum Ehrenspielführer des Vereins ernannt - dem zweiten überhaupt in der weit über 100-jährigen Vereinsgeschichte der 95er.

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