12.04.2017 | Yesterday

Dieter Herzog

Fortunas zweiter Weltmeister der Vereinsgeschichte

Sechs Jahre lang trug Dieter Herzog das F95-Trikot. In 253 Pflichtspielen in der Bundesliga, Regionalliga und Aufstiegsrunde West, im DFB-Pokal, UEFA-Cup, Ligapokal und Westdeutschen Pokal erzielte er 81 Tore. Gleich in seiner ersten Saison 1970/71 stieg er mit den Rot-Weißen in die Bundesliga auf. In der Folgezeit feierte er mit der Fortuna einige sportliche Erfolge, die ihm die Berufung in die deutsche Nationalmannschaft einbrachten. 1974 wurde er mit Deutschland Fußball-Weltmeister und damit nach Toni Turek 1954 der zweite der Vereinsgeschichte.

Im Sommer 1970 war der gebürtige Oberhausener von den Sportfreunden Hamborn 07 aus Duisburg in die Landeshauptstadt gewechselt. Zuvor hatte es am Flinger Broich bei den 95ern einen Wechsel auf dem Trainerstuhl gegeben. Unter dem neuen Coach Heinz Lucas sollte eine neue sportliche Ära beginnen. Denn nach dem Abstieg 1967 misslangen jeweils die Versuche eines Wiederaufstiegs. Unter Lucas gelang gleich im ersten Anlauf die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Herzog bildete dabei als Linksaußen mit Rainer Geye auf der anderen Seite eine Flügelzange, wie sie bundesweit ihresgleichen suchte. Nicht wenige verglichen Herzog aufgrund seines Spielstils mit Stanislaus „Tau“ Kobierski, der 1933 mit der Fortuna Deutscher Meister geworden war. Der wendige Herzog war aber nicht nur als Vorbereiter stark, sondern kam auch selbst häufig zum Torabschluss. Immerhin gelangen ihm 40 Treffer in seinen fünf Düsseldorfer Bundesligajahren.

WM-Höhepunkte im „Wohnzimmer“ und der Titelgewinn

Solche Fähigkeiten blieben nicht unbemerkt. Bundestrainer Helmut Schön nominierte ihn für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. „Diese Berufung habe ich der gesamten Mannschaft von Fortuna zu verdanken. Ohne meine Jungs wäre ich nie so weit gekommen“, gab er im Nachhinein bescheiden zu Protokoll. Die WM-Premiere erfolgte am 26. Juni im ersten Spiel der 2. Finalrunde beim 2:0-Erfolg über Jugoslawien. Es fand in seinem „Wohnzimmer“ statt - im Düsseldorfer Rheinstadion vor über 67.000 begeisterten Zuschauern!

Vorausgegangen war die unangenehme 0:1-Niederlage der BRD im letzten Vorrundenspiel gegen die DDR, nach der sich Schön gezwungen sah, seine Mannschaft zu verändern. Dieter Herzog profitierte davon und löste den Frankfurter Jürgen Grabowski ab. Es folgte am 3. Juli der 4:2-Erfolg über Schweden - erneut im voll besetzten Rheinstadion; abermals stand der Düsseldorfer Profi mit der Nummer 18 in der Startelf. Am Ende wurde er mit zwei Einsätzen ein Weltmeister „zweiter Klasse“, wie er selbst offen zugab: „So muss man es wohl sehen. Aber die Kameradschaft war super!“ Mit seinem fünften Länderspiel am 4. September 1974 beim 2:1-Sieg in der Schweiz beendete er seine internationale Karriere in der DFB-Elf.

Auf internationalem Parkett, ein Rekord und ein Hattrick

In der Bundesliga bedeuteten die Jahre 1973 und 74 für ihn und die Fortuna eine höchst erfolgreiche Zeit. Immerhin wurden die Flingeraner zweimal in Folge Dritter in der Endtabelle. Es folgten erste Auftritte im Europapokal. Zugleich stellte er in dieser Zeit einen Rekord auf, indem er von August 1970 bis November 1974 genau 158 Punktspiele in Folge bestritt. Er sollte erst einige Jahre später von Wolfgang Seel gebrochen werden. Eine weitere Sternstunde erlebten dann „nur“ 32.000 Zuschauer am 33. Spieltag der Saison 1974/75 im Rheinstadion. An jenem 7. Juni 1975 rang die Fortuna den FC Bayern München in einer denkwürdigen Partie nach 2:4-Halbzeitrückstand noch mit 6:5 nieder. Siegtorschütze für die Düsseldorfer war in der 72. Spielminute - Dieter Herzog!

Ein Jahr später wurde dem Weltmeister ein neuer Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen angeboten. Somit wechselte der 30-Jährige zu Bayer 04 Leverkusen. Das Abschiedsgeschenk machte er sich selbst. Am 12. Juni 1976 schoss Herzog in seinem letzten Spiel die Rot-Weißen am 33. Spieltag mit einem lupenreinen Hattrick in der Schlussviertelstunde zum 5:1-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern und damit zum Klassenerhalt.

Sein letztes Bundesligaspiel für Leverkusen absolvierte er am 21. Mai 1983 im Alter von 36 Jahren - es war eine 0:4-Niederlage bei… Fortuna Düsseldorf.

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