27.10.2017 | Yesterday

Kalli Hoffmann

Olympia-Teilnehmer und Bundesliga-Aufsteiger

Elf Jahre lang trug Karl-Heinz „Kalli“ Hoffmann, wie er stets gerufen wurde, das F95-Trikot. In diesem Zeitraum kam der Außenläufer auf 272 Pflichtspiele, in denen er sechs Tore erzielte. Gleich zweimal stand er mit den Flingeranern im DFB-Pokalendspiel. Ein Erfolg war ihm und der Fortuna jedoch nicht vergönnt. Immerhin gehörte er noch 1966 zur ersten Aufstiegsmannschaft in die Bundesliga. 1956 nahm er an den Olympischen Sommerspielen in Melbourne teil.

Bevor der gebürtige Düsseldorfer 1955 im Alter von 19 Jahren zur Fortuna kam, hatte er bereits zehn Jugend-Länderspiele absolvierte und mit seinem Heimatverein VfL Benrath in der 2. Liga West gespielt. Nach dem Wechsel von den Schwarz-Weißen aus dem Düsseldorfer Süden zu den Rot-Weißen vom Flinger Broich absolvierte der Abwehrspieler in seiner ersten Saison in der Oberliga West unter Trainer Kuno Klötzer gleich alle 30 Partien und belegte mit der Fortuna am Saisonende den sechsten Tabellenplatz.

An der Seite von Erich, Jupp und Matthes
Seine Premiere feierte Hoffmann am 27. August 1955 beim 2:1-Auswärtserfolg beim FC Schalke 04, wo er an der Seite von Erich Juskowiak sowie Matthes Mauritz und Jupp Derwall als linker Läufer agierte. Es folgten viele weitere erfolgreiche Jahre, in denen vor allem Mauritz für ihn zum Vorbild und Ziehvater wurde, wie er selbst einmal erklärte: „Für uns junge Burschen war klar: Ran an den Matthias, denn der weiß alles und der kann alles!“ Am 8. August 1956 kam es in Essen zu einer ganz besonderen Freundschaftsbegegnung. „Dort haben wir das erste Flutlichtspiel an der Hafenstraße ausgetragen. Heute sind wir ja daran gewohnt: Wenn es dunkel wird, dann wird das Licht angemacht. Aber das war damals etwas ganz Besonderes“, blickte Hoffmann auch viele Jahrzehnte danach mit einem Leuchten in den Augen zurück.

Drei Pokalendspiele - dreimal nur Gratulant…
Im Jahr darauf verpasste er verletzungsbedingt das DFB-Pokalfinale, welches er mit der Fortuna erreichte. Vom Spielfeldrand musste er am 29. Dezember 1957 in Augsburg mitansehen, wie die 95er gegen den FC Bayern München mit 0:1 verloren.
Nächster Höhepunkt war das Jahr der Fußball-WM 1958. Erneut erreichten die Rot-Weißen das Pokalendspiel - und wieder mussten sie sich geschlagen geben. Am 16. November unterlagen sie in Kassel dem VfB Stuttgart äußerst knapp mit 3:4 nach Verlängerung. Dem rechten Läufer gelang dabei in der 50. Minute der Treffer zum 1:1-Zwischenstand. Am 29. August 1962 stand Hoffmann zum zweiten Mal auf dem Feld mit der Fortuna in einem DFB-Pokalfinale. In Hannover setzte sich jedoch der 1. FC Nürnberg mit 2:1 Toren durch - erneut in der Verlängerung…

Ghana, Kamerun, Togo und Nigeria: Die Afrika-Reise
Ein paar Jahre zuvor war Hoffmann Teil einer Düsseldorfer Delegation, die sich auf eine aufregende Reise nach Afrika ins Flugzeug setzte. Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit hatte der Fußball-Verband von Ghana 1959 als erste deutsche Mannschaft - nach Real Madrid, Vasco da Gama und dem FC Sao Paolo - die Fortuna eingeladen. „Wieder einmal war es die Fortuna, die für dieses Freundschaftsspiel angefragt wurde - sozusagen als Botschafter des deutschen Fußballs. Danach spielten wir noch in Nigeria, wobei wir direkt nach dem Spiel mit dem Flugzeug zurück nach Ghana flogen, weil wir vor Einbruch der Dunkelheit landen mussten. Mit dem Auto ging es weiter nach Togo. Außerdem haben wir noch in Nigeria gespielt“, berichtet Hoffmann.

Fortuna international begehrt
Ohnehin war die Fortuna in den 1950er und 60er Jahren vor allem international ein gern gesehener Gast - ob in Warschau zur Eröffnung des Kulturpalastes, drei Jahre später mit zwei Spielen in Ägypten und daran anschließend weiteren Begegnungen im heutigen Iran sowie in Asien in Thailand und dem heutigen Sri Lanka.
Ein weiterer Höhepunkt war am 14. Januar 1959 das Freundschaftsspiel in Madrid gegen eine kombinierte (!) Auswahl der beiden Stadtrivalen Real und Atlético. „Etwas Besseres gab es zur damaligen Zeit nicht, zumal der Stellenwert heutzutage ja mindestens genauso groß ist. Mein Gegenspieler war Alfredo di Stefano. Das war schon ein außergewöhnlicher Fußballer. Es waren über 80.000 Zuschauer im Stadion; das war einfach unvergesslich, auch wenn wir 1:4 verloren haben!“

Schlechte Platzierungen der Grund für die Nicht-Berücksichtigung
National spielte die Fortuna weiterhin in der Oberliga West und erreichte im selben Jahr ihre beste Platzierung mit Trainer Hermann Lindemann, als sie punktgleich mit dem Vize-Meister 1. FC Köln auf dem dritten Rang landete. In der Saison des völlig überraschenden Abstiegs in die 2. Liga West 1959/60 konnte Hoffmann verletzungsbedingt nur 19 Spiele absolvieren. Mit Trainer Fritz Pliska gelang aber ein Jahr später der umgehende Wiederaufstieg. Nach dem Wiederaufstieg konnten sich die Rot-Weißen in der letzten Spielzeit der Oberliga West 1962/63 unter Trainer Jupp Derwall nicht in der Spitzengruppe platzieren und wurden somit auch nicht für die neu gegründete Fußball-Bundesliga nominiert. Unter dem neuen Trainer Kuno Klötzer errang die Fortuna in den Spielzeiten 1963/64 und 64/65 jeweils die dritten Ränge in der Regionalliga West. Als im dritten Anlauf 1965/66 der Titelgewinn und der Aufstieg in die Bundesliga gelang, gehörte der Routinier mit neun Einsätzen nicht mehr der Stammbesetzung an. Das letzte Regionalligaspiel bestritt „Kalli“ Hoffmann am 28. November 1965 beim 0:0 gegen Schwarz-Weiß Essen.

Internationale Einsätze mit dem Bundesadler auf der Brust
In seinem ersten Länderspiel in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Amateure debütierte Hoffmann am 12. November 1955 in London beim 3:2-Erfolg gegen England. Im Mai 1956 bestritt er sein zweites Amateurländerspiel gegen Frankreich. Höhepunkt wurde für ihn die Teilnahme am Fußball-Turnier der Olympischen Sommerspiele in Melbourne. Am 24. November 1956 trat die von DFB-Trainer Georg Gawliczek trainierte Elf im ersten Spiel gegen den klaren Turnierfavoriten Sowjetunion an. Lange Zeit leistete die Amateur-Auswahl dem späteren Olympiasieger Widerstand, doch am Ende gab es eine knappe 1:2-Niederlage. Ein Erlebnis war es aber allemal, wie Hoffmann im Nachhinein berichtete: „Wegen der Suezkrise in Ägypten konnten wir nicht über Afrika fliegen. Also ging es mit dem Flugzeug über den Nordpol bis nach Anchorage in Alaska. Von dort aus flogen wir über San Francisco weiter in Richtung Süden bis nach Hawaii. Am Waikiki-Beach haben wir dann unser Trainingslager abgehalten - herrlich!“

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