Rückfall in schlechte Zeiten
Nach ihrer Niederlage bei einem weiteren direkten Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt ist die Zwote erneut auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen. Die von ihr im Stadion am Badeweiher gezeigte Leistung bedeutete aber auch einen Rückfall in vergessen gehoffte Zeiten der Leidenschafts- und Kampflosigkeit.
Eine wichtige Umstellung in der Aufstellung der Zwoten in Hüls war, dass Tim Boss trotz seiner überragenden Leistung in den letzten Spielen seinen Platz im Tor der Fortunen für den von einer Verletzung wieder genesenden Nikolaos Papadopulos räumen musste. Kein leichtes Los für einen Spieler. Was fehlte, das mag an Sprachproblemen liegen, war das lautstarke Organisieren und Dirigieren der Abwehr, das den Zwote-Torwart ebenfalls auszeichnet.
Man sollte davon ausgehen können, dass die Spieler, die für die Zwote auflaufen, deren Situation kennen und wissen, dass drei Punkte aus dem Spiel gegen den VfB Hüls nicht nur Pflicht, sondern vom spielerischen Potenzial her auch möglich waren. Es bleibt ein Rätsel, warum trotzdem einmal mehr keine kämpferische Mannschaft (d.h. eine in sich geschlossene und solidarische Gruppe von Männern mit einem gemeinsamen Ziel!) auf dem Platz stand, sondern eine Ansammlung von Individualisten mit scheinbar vollkommen unterschiedlichen Interessen oder Prioritäten. Ebenfalls als Zuschauer nicht zu erkennen war zumindest der sportliche Ehrgeiz, den Rasen nicht als Verlierer zu verlassen.
Wie so oft begann eigentlich alles ganz gut, und die Zwote hätte das Spiel mit einem Paukenschlag eröffnen können, denn bereits nach knapp zwei Minuten spielte Kapitän Sebastian Michalsky einen Zuckerpass steil auf Gerrit Wegkamp, der aber frei und unbedrängt aus rund zehn Metern diese Riesenchance vergab und den Ball direkt in die Arme des VfB-Torwarts Tobias Rantzow spielte. Die Fortunen setzten nach, spielten offensiv und mussten dann, fast schon wie gewohnt, den Nackenschlag eines frühen Rückstands aus dem Nichts hinnehmen. Beim ersten geordneten Angriff der Gastgeber war die Abwehr einen Moment nicht im Bilde, ging nicht konsequent zum Ball, so dass dieser bei David Piorunek landete, der ihn platziert ins lange Eck zirkelte. Die Hausherren machten danach erst einmal die Räume eng. Den Fortunen, denen die Kontrolle über das Spiel zusehends entglitt, fiel bis zum Halbzeitpfiff nichts ein, was das Blatt zu ihren Gunsten hätte wenden können.
Über die zweite Spielhälfte der Zwoten sollte man besser den Mantel des Schweigens decken. Sie stellte das Fußballspielen nun vollständig ein, ging in keine Zweikämpfe, zeigte keine Laufbereitschaft, stand immer zu weit vom Gegner, und auch die Auswechslung des so harm- wie wirkungslosen Sturmduos Gerrit Wegkamp und Timo Furuholm durch Tugrul Erat und Aliosman Aydin brachte keine entscheidende Besserung. Wenn man auch nicht allen Spielern zumindest ein Bemühen zur Ergebnisverbesserung absprechen kann, so kann es dennoch nur beim guten Willen bleiben, wenn das gesamte Mannschaftsgefüge nicht stimmt. Die Gastgeber schienen das ebenfalls erkannt zu haben, denn sie setzten in der zweiten Spielhälfte auf ein körperbetontes Spiel und wurden für den von ihnen auf die Zwote ausgeübten Druck belohnt. Volkan Okumak nutzte nach einer weiteren Inkonsequenz in der Defensive eine zu kurze Faustabwehr von Nikolaos Papadopulos und erzielte mit dem Kopf das 2:0 der Hausherren. Es passt in das Gesamtbild, das die Zwote bot, dass André Fomitschow in der 75. Minute nach einem groben Tritt von hinten in die Hacken von David Piorunek, der den Ball schon weitergespielt hatte, frühzeitig duschen gehen konnte. Am Ende konnten sich die VfB-Anhänger trotz einer ebenfalls in der Summe nur mageren Leistung ihrer Mannschaft über drei insgesamt verdiente Punkte freuen, da die Zwote nach der zweiten Spielminute der ersten Halbzeit keine weitere Torchance hatte.
VfB-Trainer Martin Schmidt: „Dass man bei einem Kellerduell keinen Schönheitspreis gewinnt, war vorher schon klar. Wir wussten, dass wir für einen Sieg in die Zweikämpfe gehen mussten. Zum Glück sind wir kurz nach dem Anpfiff nicht in Rückstand geraten. Danach stand unsere Defensive sicher. Aufgrund der zweiten Halbzeit, in der wir dann viel präsenter waren, haben wir uns dann den verdienten Sieg erkämpft.“
Zwote Trainer Taskin Aksoy: „Ich bin maßlos enttäuscht. Nicht nur über das Ergebnis, sondern auch über dessen Zustandekommen. Gehen wir in der ersten Halbzeit direkt in Führung, verläuft das Spiel vielleicht anders. Wir kommen eigentlich gut in Tritt, doch plötzlich geraten wir wieder einmal aus dem Nichts in Rückstand. In der zweiten Halbzeit haben wir dann das Fußballspielen eingestellt. Bei allem Respekt für den VfB Hüls, aber mit einer solchen Einstellung und ohne jegliche Kreativität darf man sich hier und auch in dieser Liga nicht präsentieren.“ (RR)
Spiele der Teams
Aufstellung:
VfB Hüls
Rantzow (C)JasmundSchlüterDiericksSchurig (46. Köse)PiorunekHoffmannMutluer (82. Pavlovic)Okumak (80. Kyei)OscislawskiErwig
Gelbe Karten
Schurig, Rantzow, Okumak, KöseTrainer
Martin Schmidt
Fortuna Düsseldorf U23
PapadopoulosKlemtZimmermannMichalsky (C)Nandzik (78. Hofrath)NyarkoRamiFomitschowGolleyWegkamp (60. Erat)Furuholm (60. Aydin)
Gelbe Karten
Furuholm, Golley
Rote Karten
Fomitschow (75., grobes Foulspiel)Trainer
Taskin Aksoy
Stadion:
Zuschauer
150
Schiedsrichter
Nikolaus Athanassiadis (Bad Salzdetfurth)


