02.11.2010 | Verein

In memoriam - Hans Körfer

Der frühere Fortuna- und DFB-Funktionär wäre 100 Jahre alt geworden

Am 2.November 1910 wurde Hans Körfer in Düsseldorf-Flingern geboren. Sein Leben gehörte dem Fußball - sowohl beruflich als auch und vor allem privat. Bestimmt war es dabei von den Farben Rot und Weiß. Ob als Schriftführer der Jugendabteilung, Pressewart, zweiter Vorsitzender, zweimaliger Hauptgeschäftsführer von 1938-40 sowie von 1945-51und als Leiter der Vertragsspielabteilung: Hans Körfer war ein echter Fortune.

Schon 1921 taucht sein Name erstmals in den Vereinschroniken auf, als er in der Schülerelf vor den Ball trat. Bereits 1925 übernahm er sein erstes Amt und nur ein Jahr darauf war er als Fünfzehnjähriger in der Jugendabteilung bereits der jüngste Geschäftsführer eines deutschen Fußballvereins! Fortan war er bis 1951, also ganze 26 Jahre lang, um die Geschicke des Vereins bemüht.

Dabei waren der Fußball und vor allem die Fortuna nur ein Hobby oder vielmehr eine Herzensangelegenheit. Denn Körfer war Sportjournalist und in seinem Hauptberuf arbeitete er beim Sport-Informations-Dienst (sid) als Leiter des Ressorts Fußball. Schon 1934 reiste er daher als Berichterstatter für den "Mittag" zu seiner ersten Fußball-Weltmeisterschaft nach Italien. Es sollten noch fünf weitere in seiner beruflichen Karriere folgen. Trotzdem nahm er sich gerne die Zeit, um seiner Fortuna die unterschiedlichsten Dienste zu erwiesen. Sein Engagement für den Fußball kannte nämlich keine Grenzen - auch gesundheitlich nicht. Durch seinen Vater war er früh an den Verein herangeführt worden, der ebenfalls als Funktionär bei den Flingeranern tätig war.

 

Eine nette Anekdote weiß Fortunas ehemaliger Rekordspieler und früheres Fußballidol der Landeshauptstadt, Matthes Mauritz, über Hans Körfer zu berichten: "Das war Anfang August 1945. Ich war gerade aus dem Krieg zurück nach Düsseldorf gekehrt. Da hörten wir davon, dass wir gegen Fortuna spielen sollten. Wir haben zwar 2:7 verloren, aber ich muss wohl ganz gut angekommen sein." Nach der Partie sprach ihn nämlich der Schiedsrichter an: "Mein Name ist Hans Körfer, ich bin von Fortuna, und du gibst mir mal deine Telefonnummer." Worauf Mauritz erwiderte: "Herr Körfer, ich bin doch kein Fußballer, ich bin Tennis- und Hockeyspieler!" Solch Argumente zählten jedoch nicht. "Kurz danach rief bei uns zu Hause Toni Rudolph an, der Wirt vom Benrather Hof, der auch Fortuna-Manager war." Und der hatte das entscheidende Argument: "Du bekommst ab sofort jede Woche zwei Pfund Fleisch, zwei Brote und drei Abendessen." Der Fußballer und Fortune Matthes Mauritz war geboren!

 

1950 wurde Hans Körfer jedoch vom Deutschen Fußball-Bund an die Spitze des Spielausschusses als dessen Vorsitzender berufen. Für ihn war dies selbstverständlich eine berufliche Auszeichnung und Ehre zugleich, aber eben auch eine zusätzliche Belastung. Daher gab er nur ein Jahr später seine Tätigkeit im Verein auf, wobei er weiterhin als Mitglied der Fortuna verbunden blieb. Ende 1965 wurde er vom amtierenden Vorstand zum Ehrenmitglied ernannt.

Der schönste Moment seiner Funktionärslaufbahn war dann sicherlich das "Wunder von Bern" - der 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Finale über Ungarn. Seit diesem Tag duzte er sich mit Sepp Herberger. Die Weltmeisterschaft 1954 hatte die beiden trotz mancher sachlicher Gegensätze beinahe zu Brüdern gemacht. Mit Recht darf somit gesagt werden, dass Hans Körfer durchaus ein Stück deutsche Sportgeschichte mitgeschrieben und mitgestaltet hat. Dazu gehörten auch das erste Nachkriegsländerspiel sowie das jahrelange Ringen um die Einführung der Bundesliga 1963. Zwei Jahre zuvor wurde er an seinem 50. Geburtstag als jüngstes DFB-Mitglied mit der goldenen Ehrennadel dekoriert.

 

Als Sportführer auf nationaler Ebene und als bedeutender Sportjournalist stand er jedoch auch im Kreuzfeuer der Kritik unter seinen Kollegen. Nicht nur einmal wurden die Rufe laut, dass er durch sein hohes Amt beim DFB wichtige Informationen für seinen Beruf nutzen würde. Kein Geringerer als Dr. Peco Bauwens, der erste DFB-Präsident, mit dem er zwar nicht immer einer Meinung war, stand ihm dabei indes zur Seite und erklärte unmissverständlich: "Ich betone ausdrücklich, dass ich als Vorsitzender des DFB nach wie vor allergrößten Wert auf die Mitarbeit von Hans Körfer." Doch musste dieser 1963 - in seinem 14. Berufsjahr seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Fußball-Bund - seinen Job als Spielausschuss-Obmann nach seinem ersten Herzinfarkt auf Anraten der Ärzte aufgeben.

 

In den folgenden Jahren wurde es etwas ruhiger um ihn, weil er sich vermehrt seinen beruflichen Aufgaben widmete. Am 31. Oktober, nur zwei Tage vor seinem 62. Geburtstag, starb er an den Folgen seines dritten Herzinfarkts im Alter von nur 61 Jahren. An seinem Grabe kamen viele seiner Wegbegleiter über die vergangenen Jahrzehnte hinweg wieder zusammen - wenngleich aus traurigem Anlass. Die jungen Fortuna-Spieler aus der Meisterelf von 1933 Schorsch Hochgesang, Jakob "Knöd" Bender, Paul Janes, Theo Breuer, Ernst Albrecht, Felix Zwolanowski erwiesen ihm ebenso die letzte Ehre wie die aktuelle Generation um den damaligen Trainer Heinz Lucas, Klaus Budde und Obmann Hans Noack. Aus der Weltmeister-Elf von 1954 kamen Toni Turek, Berni Klodt und Alt-Bundestrainer Sepp Herber sowie die Mitarbeiter Erich Deuser und der erst kürzlich verstorbene Dr. Franz Loogen.

Der Verein Foruna Düsseldorf wird Hans Körfer stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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