02.07.2018 | Verein

Fortuna Düsseldorf trauert um Wolf Werner

Nachruf auf ehemaligen Vorstand Sport

Fortuna Düsseldorf trauert um Wolf Werner. Der ehemalige Vorstand Sport, der dem Verein sieben Jahre mit außerordentlichem Engagement zur Seite stand, verstarb am Freitagabend vollkommen unerwartet nach kurzer, schwerer Krankheit.

Als am 13. März 2007 der vorzeitige Wechsel von Wolf Werner zur Fortuna verkündet wurde - eigentlich sollten die Arbeitspapiere für den neuen „Geschäftsführer Sport“ erst zur neuen Saison gelten - war dies ein ausgesprochen geschickter Schachzug des damaligen Vorstands um den heutigen DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth, der seine guten Kontakte zu nutzen wusste. Denn „der Neue“ hatte zuvor reichlich Erfahrungen im Profibereich gesammelt, beim SV Werder Bremen über elf Jahre eine exzellente Jugendarbeit etabliert und galt als ausgewiesener Fachmann.

Und genau darum ging es beim damaligen Regionalligisten aus der Landeshauptstadt: Dass Werner nicht erst zum Saisonende an den Rhein wechselt, sondern kurzfristig maßgeblichen Einfluss auf die Kaderzusammenstellung für die Spielzeit 2007/2008 nehmen, mittelfristig aber auch junge Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs sichten und einbinden sollte.

Dies machte sich unmittelbar durch schlagkräftige Neuzugänge bemerkbar, die zu den unbestrittenen Leistungsträgern geworden waren, als Fortuna zwei Jahre später die Rückkehr in die 2. Bundesliga feiern konnte. Chefcoach war inzwischen Norbert Meier geworden und gemeinsam mit Wolf Werner sollte sich ein bis dato unvergleichlich erfolgreiches Duo herausbilden.

Auf der einen Seite ein Norbert Meier, erfolgreicher Ex-Profi und ehemaliger Nationalspieler, mit einer seinerzeit angekratzten Reputation als Fußballlehrer. Auf der anderen Wolf Werner, der damals bereits die Qualitäten eines „Grandseigneur“ oder „Elder Statesman“ besaß: Er beherrschte die Klaviatur des Miteinanders, ohne sich dabei verbiegen zu müssen, und erweckte auch durchaus mal den Eindruck - kraft seiner Lebenserfahrung - ein wenig über den Dingen zu stehen. Dabei war er ein überaus wacher Geist, konnte glasklar analysieren, hatte ein gutes Gespür für Vorhersehbares als auch Unkalkulierbares, war hart in der Sache, offen und ehrlich, und doch immer zugänglich für Argumente. Und war ebenso aufrichtig, um Entschuldigung zu bitten, wenn er einsah, einen Fehler zu begangen zu haben.

Ein idealer Gegenpol zu Meier also, aber in der Zielrichtung immer auf dessen Seite und auf den größten Nutzen für die Fortuna bedacht. Gleichzeitig bildeten die beiden deshalb die ideale Melange, weil sie den Fußball mit größter Leidenschaft lebten und die die Weiterentwicklung und sportliche Neudefinition der Fortuna als eine Herausforderung mit Aussicht auf Erfolg sahen.

Wolf Werner hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine bewegte Vita hinter sich: Geboren während des Zweiten Weltkriegs im heutigen Polen, es folgten Vertreibung und Flucht, die seine Familie nach Nord- beziehungsweise Westdeutschland führte. Nachdem er zunächst eine Handwerkslehre absolviert hatte, ging er zur Bundeswehr, studierte und wurde Lehrer. Als Fußballspieler „keiner der ganz Großen“ (Werner über Werner), suchte er schon als Student seinen Erfolg als Chef an der Seitenlinie. Ein Jahr nachdem Wolf Werner seine Fußballlehrer-Lizenz erhalten hatte, wurde er 1978 Co-Trainer von Jupp Heynckes. Eine Beziehung, die bis zuletzt Bestand haben sollte zwischen ihm und „dem Josef“, wie er ihn immer zu nennen pflegte.

Wolf Werner stand mitten im Leben. Und wusste seine Mitmenschen zu begeistern und mitzuziehen. Gelegentlich wurde er falsch ein- oder gar unterschätzt, weil er zerstreut wirkte und den Eindruck erweckte, nicht ganz bei der Sache zu sein. Doch wer meinte, daraus Vorteile ziehen zu können, sah sich alsbald getäuscht, denn hinters Licht führen ließ sich Wolf Werner nicht, sondern reagierte dann - zu Recht - ungehalten.

Gleichzeitig galt er vor allem jüngeren Spielern als väterlicher Typ, stellte sich vor sie oder sprach ihnen Mut zu, was spätestens dann wichtig war, wenn es mit dem Trainer einmal Reibereien gab.

Mit Wolf Werner - und eben auch Norbert Meier - gelang 2012 nach 15 langen Jahren die Rückkehr in die Bundesliga. Spätestens jetzt hatte Wolf Werner seine Expertise in eigener Sache abgeliefert, doch Jubelarien und Schulterklopfern konnte er wenig abgewinnen. Er stellte lieber Mannschaft und Trainer in den Vordergrund. Wohlwissend, wie vergänglich Erfolge sind.

So war es konsequent, dass Wolf Werner ein gutes halbes Jahr, nachdem der Ausflug in die Beletage des deutschen Fußballs nach nur einer Saison bereits wieder beendet war, Anfang 2014 sein Amt als Vorstand Sport niederlegte, zu dem man ihn zwischenzeitlich befördert hatte. Es waren mehr als unglückliche Umstände, die ihn seinerzeit zu diesem Schritt veranlassten und die in der Folgezeit mehr als einmal die Sinnhaftigkeit der seinerzeitigen Gemengelage und Verantwortlichen in Frage stellen ließen. Werner selbst bereute den Schritt indes später selbst.

Er zog mit seiner Frau nach Wilhelmshaven, und dort sollten fortan Reisen, Lesen und Heimwerken im Fokus stehen. Aber selbst die räumliche Distanz ließen den Kontakt zu und sein Interesse an der Fortuna nie abreißen. Rot-Weiß war ihm zu sehr ans Herz gewachsen und in Fleisch und Blut übergegangen. Und wenn er dann in Düsseldorf war, sahen und sprachen ihn nicht nur Medien und Fans immer wieder gerne, sondern auch ehemalige und aktuelle Verantwortliche des Vereins wussten seine Meinung sehr zu schätzen. Es schien, als habe er mit dem Kapitel Fortuna nie so ganz abgeschlossen.

Noch vor wenigen Wochen, kurz nach dem Aufstieg, war in Interviews nachzulesen, wie sehr er sich für die Fortuna freute, wieder in der Bundesliga angelangt zu sein. Um gleichzeitig gemahnende Worte an die Verantwortlichen zu formulieren. Er war eben aufrichtig mit dem Herzen dabei, mit „Ecken und Kanten“ und das machte ihn authentisch, glaubwürdig - und erfolgreich.

Bei aller Leidenschaft für den Fußball war es jedoch vor allem seine Familie, die ihm noch bedeutsamer war, als alles andere. „Fußball ist ein so schnelllebiges Geschäft.“ war sein Credo, wenn er über Erfolge und Niederlagen befragt wurde. „Am wichtigsten ist doch der Mensch. Man muss immer menschlich bleiben.“

Und so verneigt sich Fortuna vor einem großartigen Mitstreiter und eben Menschen. Dass Fortuna wieder im Konzert der Großen mitspielen darf, ist auch das Verdienst von Wolf Werner. Daher wird der Verein ihm als herausragende Persönlichkeit ein ehrendes Andenken bewahren. Dauerhaft und nicht schnelllebig.

Die Gedanken aller Fortunen sind bei dem Verstorbenen, das Mitgefühl gilt seiner Frau Ingrid, seiner Familie und allen, die ihn kannten, liebten und schätzten.

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