„Arbeiten rund um die Uhr an der Kaderplanung"
Sportvorstand Sven Mislintat über den Abstieg und die Planungen für die 3. Liga
Nach dem Fortuna-Abstieg in die 3. Liga fand am Dienstag eine Medienrunde mit Sportvorstand Sven Mislintat statt. Wir haben seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst.
Sportvorstand Sven Mislintat über ...
... die Bedeutung des Abstiegs: „Jeder muss Zeit bekommen, mit diesem Abstieg umzugehen, weil er für den Verein und einzelne Personen eine brutale Konsequenz hat. Die Verluste sind katastrophal – sowohl beim TV-Geld als auch durch den Wertverlust des Kaders. Ein Abstieg ist nicht die Konsequenz aus fünf Spielen, einer Rückrunde oder gar einem Jahr, sondern aus einem längerfristigen strukturellen Defizit.“
… die eigene Verantwortung: „Ich bin Teil dieses halben Jahres und gehöre komplett mit in die Analyse rein. Ebenso wie mein Tun, Handeln und Wirken sowie die Entscheidungen, die in meiner Zeit getroffen wurden. Ich habe entschieden, mit Markus Anfang trotz einer schwierigen Situation weiterzumachen und erst nach vier Niederlagen in Serie zu wechseln. Alle meine Entscheidungen habe ich zu den jeweiligen Zeitpunkten aus guten Gründen und basierend auf klaren Prinzipien, Werten und Analysen getroffen.“
... die Analyse und die Defizite: „Wir müssen über die Philosophie des Vereins reden: Wofür steht er? Es geht um Themen wie Spielphilosophie, Leistungshebel und einen Culture Code. Was haben wir davon und was haben wir nicht? Wie sieht unsere Infrastruktur und unser Trainingsgelände aus? Warum haben wir so viele Verletzungen? Wir müssen ganz klar darauf schauen, was in diesem Club passiert, und diese Dinge anpacken. Das beginnt mit zwei Themen: unserer eigenen Identität, damit Identifikation auf allen Ebenen stattfinden kann, und dem Culture Code. Wie wollen wir eine Fehlerkultur etablieren? Wie wollen wir respektvoll miteinander umgehen? All diese Themen müssen wir schärfen, weil wir sonst nicht da stünden, wo wir stehen.“
... die Wintertransfers: „Die Wintertransfers gehören in die Analyse mit rein. Bei 23 auslaufenden Verträgen war es wichtig, Perspektive zu ergänzen. Wir wollten zudem zwei Sofortverstärkungen. Bei Satoshi Tanaka ist uns das gut gelungen. Bei Marin Ljubicic kann man statistisch sagen, dass es nicht funktioniert hat. Das wird dem Jungen aber nicht gerecht, da er gewisse Faktoren nicht beeinflussen konnte. Kilian Sauck und Jordi Paulina sind für den Drittliga-Kader zwei sehr spannende Profis.“
... Trainer Alexander Ende: „Der Abstieg ist eine Entwicklung aus mehreren Jahren. Alex hatte den besten Punkteschnitt ohne eine richtige Vorbereitung. Unter ihm war eine klare Handschrift zu erkennen. Er kennt die 3. Liga in- und auswendig. Ich nehme ihn komplett aus der Kritik heraus. Es wäre maximal unfair, ihn dafür verantwortlich zu machen. Er ist für uns ganz klar der beste Trainer in der 2. und 3. Liga.“
… die vielen Verletzungen: „Auch hier sind wir in der Analyse. Das betrifft Themen wie Infrastruktur, Athletik, Medizin und Genetik der Spieler. Das Containerdorf auf dem Profigelände ist ein großes Thema. Für die Entwicklung des Clubs zu guten Zweitligabedingungen ist eine Verbesserung dort unabdingbar. Die Stadt ist dabei sehr kooperativ, da haben wir einen sehr guten Draht.“
… kurzfristigen Erfolg in der 3. Liga: „Das ist eine schwierige Frage. Meine Vorgänger haben vor einem Jahr gesagt, sie wollen aufsteigen, und jetzt sind wir abgestiegen. In den letzten zehn Jahren haben von allen Absteigern nur vier den direkten Wiederaufstieg geschafft, zwei sind sogar direkt weiter abgestiegen. Wenn man auf unseren Kader blickt, haben wir derzeit nur sieben Spieler unter Vertrag, davon waren nur vier Stammspieler in der 2. Liga. Das Fernsehgeld sinkt drastisch von etwa 17 Millionen auf 1,2 Millionen plus einen kleinen Rettungsanker. Das ist ein Verlust von 14 Millionen Euro. Der Kaderwert ist massiv gesunken. Wir können nichts schönreden: Wir haben einen riesigen Job vor uns. Wir kennen unseren genauen Etat noch nicht, da wir noch Hausaufgaben zu erledigen haben. Unsere Ambition ist nicht bloß der Klassenerhalt in der 3. Liga, aber ich werde kein Ergebnis für den 38. Spieltag planen. Ich stehe dafür gerade, dass wir die Leistung, die Kultur und unsere Strategie verbessern. Wenn sich die Leistung verbessert, wird auch das Ergebnis kommen, aber man kann ein Ergebnis nicht planen.“
… Bemühungen um Spieler, die etwas „gutmachen“ wollen: „Es gibt Spieler, die Lust darauf haben, und andere, die sich nicht in diesem Szenario sehen. Die Gespräche laufen, aber ich werde keine Wasserstandsmeldungen abgeben.“
... Florian Kastenmeier: „Wir haben mit Flo eine saubere Absprache: Wir sprechen zuerst miteinander, wenn das Ergebnis feststeht. Das Gespräch wird sehr zeitnah stattfinden. Es wird eine schnelle Entscheidung geben müssen, weil das die Torwartposition betrifft. Flo stellt berechtigte Fragen, etwa zum Trainingsgelände oder unserer Weiterentwicklung.“
... seinen eigenen Verbleib: „Über mich muss der Aufsichtsrat entscheiden. Ich bin davon überzeugt: Sportlicher Erfolg ist die Konsequenz langfristiger Entwicklung. Ich habe mich zu diesem Club klar committet. Ich spreche die Dinge offen an und rede sie nicht schön. Ich bin heute einer derjenigen, die den Abstieg erklären müssen, aber wir räumen auch Themen auf, für die wir nicht final verantwortlich sind. Ich bin nicht derjenige, der beim Abstieg abhaut – im Gegenteil, dann bin ich erst recht da.“
… die laufende Kaderplanung: „Wir arbeiten rund um die Uhr an der Kaderplanung und am Budget. Strukturell ist es einfacher, da sich die Spielidee zwischen der 2. und 3. Liga nicht ändert. Nur der Zugang zur Qualität der Spieler variiert. Wir haben klare Vorstellungen von Profilen, Leadership und Infrastruktur. Wir können und müssen erste Transfers schnell angehen, da das Budget für neue Spieler durch die vielen Abgänge frei ist. Wir können eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen. Die erste Phase mit den Ankerspielern ist die wichtigste. Am Ende der Transferperiode kann man dann noch späte Gelegenheiten oder Leihen nutzen. Der Plan ist, die wichtigsten Spieler so früh wie möglich da zu haben.“
… mögliche Abgänge von Spielern mit Vertrag: „Bei Spielern wie Satoshi Tanaka ist es offensichtlich, dass sie für die 3. Liga eigentlich zu gut sind und Ambitionen wie die WM haben. Es gab sicherlich schon viele Anrufe bei seinen Beratern. Das bietet uns aber auch die Chance, wichtige Ablösen zu generieren.“
... die U23, Jens Langeneke und das NLZ im Allgemeinen: „Wir können uns eine Oberligamannschaft leisten, müssen aber Einsparungen vornehmen. Das NLZ und der Frauenfußball bleiben wichtige Eckpfeiler. Grundsätzlich wollen wir so viele Mitarbeiter wie möglich behalten. Unser Plan ist es, bei der U23 in der aktuellen Konstellation weiterzumachen, aber wir müssen auch abwarten, welche Ambitionen Jens Langeneke hat.“
... den Staff in der 3. Liga: „Ein Kader von 25 Spielern braucht in der 3. Liga die gleiche Betreuung. Wir prüfen, ob wir Dinge zusammenlegen können.“


