08.06.2018 | 1. Mannschaft

Wie eingewechselt

Saisonrückblick – Teil 7: Fortunas Japaner verzaubern Düsseldorf

Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört: Fortuna und die Japanische Gemeinde. Nirgendwo sonst in Deutschland leben mehr Japaner als in Düsseldorf – die Menschen aus dem Land der aufgehenden Sonne prägen das Stadtbild der Landeshauptstadt. Und viele von ihnen waren im Sommer ganz aus dem Häuschen: Mit Takashi Usami hat die Fortuna einen Spieler verpflichtet, der in seinem Heimatland getrost als großer Star bezeichnet werden kann. 91 J-League-Tore für Gamba Osaka, 22 Länderspiele und einen Club wie Bayern München in der Vita – diese Fakten sprechen für sich. Als im Winter mit Genki Haraguchi ein weiterer Nationalspieler unter Vertrag genommen wurde, wurde die Verbindung zwischen der Fortuna und Japan endgültig eine besondere Erfolgsgeschichte. Aktuell bereiten sich beide auf die Weltmeisterschaft in Russland vor.

Wenn man ausdrücken will, dass ein Mensch sich plötzlich ganz anders als zuvor verhält, fällt häufig die Phrase „Er ist wie ausgewechselt“. Für Takashi Usami kann man diesen Satz getrost ein kleines bisschen abändern: In der Hinrunde kam der japanische Offensivmann seltener zum Zug, doch in der Rückrunde war er plötzlich überall auf dem Feld zu finden und gehörte zu den gefährlichsten Spielern der 2. Bundesliga. Man könnte also sagen: Er war wie eingewechselt. Das hängt auch und vor allem mit einem besonderen Winter-Transfer der Fortuna zusammen.

Und Usami schlug ein. Für sein erstes Tor im Fortuna-Dress brauchte er nach seiner Einwechslung gegen Union Berlin lediglich schlappe zehn Minuten. Als er insgesamt 48 Zeigerumdrehungen für die Fortuna auf dem Platz stand, hatte er sein zweites Tor erzielt – beim 2:1 auf St. Pauli. Viel besser kann man als Neuzugang nicht starten! Und auch neben dem Platz galt dem Offensivmann viel Aufmerksamkeit: Die japanischen Medienvertreter in der ESPRIT arena wurden von Woche zu Woche mehr und bei einer Autogrammstunde standen die japanischen F95-Anhänger meterlang Schlange.

Auf dem Platz wollte dem damals 25-Jährigen in den folgenden Wochen indes weniger gelingen als in seinen furiosen ersten Auftritten. Bis zur Winterpause kam Usami zu keiner weiteren Torbeteiligung, wurde häufig erst spät eingewechselt und blieb bei seinen Auftritten blass. Doch das änderte sich im Winter mit einem Schlag – oder besser: mit einem Transfer. Mit Genki Haraguchi verpflichtete der Traditionsverein aus Flingern in der Wintertransferphase einen zweiten japanischen Nationalspieler und seitdem blüht Usami auf. „Die beiden machen viel Quatsch zusammen. ‚Taka‘ ist wie ein neuer Mensch. Seit Genki da ist, läuft es bei ihm“, freut sich auch Cheftrainer Friedhelm Funkel über die tolle Entwicklung Usamis.

Im ersten Spiel 2018 – ein 2:1-Sieg über Erzgebirge Aue – standen erstmals in der Vereinsgeschichte zwei Japaner zeitgleich für Fortuna Düsseldorf auf dem Feld. Beim anschließenden Auswärtsspiel in Kaiserslautern erzielte Haraguchi sein erstes Tor im F95-Dress. Und ab dem Heimspiel gegen Greuther Fürth begann Usamis stärkste Phase in der letzten Saison: In vier aufeinanderfolgenden Spielen traf der Japaner mit der gewaltigen Schusskraft je einmal, das gelang keinem anderen Fortunen in der letzten Saison. Häufig wirbelten die Japaner gemeinsam auf den Flügeln und man merkte ihnen die Spielfreude förmlich an, gerade, wenn sie zusammen auf dem Feld standen. Am Ende der Saison kamen Usami (acht Tore, drei Vorlagen) und Haraguchi (ein Tor, vier Vorlagen) nicht nur auf tolle Scorer-Werte – sie belebten das Angriffsspiel der Düsseldorfer auch dann, wenn sie nicht direkt an Toren beteiligt waren.

Und neben dem Platz? Da war die japanische Euphorie ungebrochen. Immer häufiger sah man in der Rückrunde japanische Fans auf der Tribüne, die ihren beiden Nationalspielern mit Plakaten mit japanischen Schriftzeichen zujubelten. Bei einer zweiten Autogrammstunde, an der auch Justin Toshiki Kinjo teilnahm, platzte das me and all hotel endgültig aus allen Nähten. In den Presseräumen der ESPRIT arena tummelten sich – zumindest beinahe – so viele japanische wie deutsche Journalisten und Kameraleute. Die Japaner und die Fortuna: Eine tolle Erfolgsgeschichte, die aktuell darin gipfelt, dass Usami und Haraguchi im 23-Mann-Kader ihrer Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Russland stehen und sich derzeit auf die WM vorbereiten.

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