03.09.2019 | Verein

Ex-Torjäger Atli Edvaldsson verstorben

Der "Wikinger" wurde nur 62 Jahre alt

Fortuna Düsseldorf trauert um Atli Edvaldsson. Der Isländer, der von 1981 bis 1985 für die Fortuna auflief, verstarb am Montag nach langer schwerer Krankheit im Alter von nur 62 Jahren.

  • Foto: Horstmüller

1957 in Reykjavik geboren war der 1,95-Meter-Hüne 1980 nach Deutschland gekommen, um zunächst bei Borussia Dortmund anzuheuern. Mit dynamischer Athletik und ausgereifter Technik setzte sich Edvaldsson schnell durch und erzielte in 30 Spielen 11 Treffer.

Darauf wurden auch die Verantwortlichen von Fortuna aufmerksam und lotsten den Angreifer an den Rhein. Insgesamt 219 Spiele sollte der aus naheliegenden Gründen auch gerne "Wikinger" genannte Stürmer bestreiten und sich 112-mal in die Torschützenliste eintragen. Einmal wurde Edvaldsson knapp Zweiter im Torschützen-Königsduell mit Rudi Völler - ebenso wie der Stuttgarter Karl Algöwer kam er auf 21 Treffer, während dem spätere Bayer-Manager 23 Tore gelangen.

Für nachhaltiges Aufsehen, das ihn bis zum Lebensende begleitete, sorgte Edvaldsson aber am 5. Juni 1983: Im letzten Spiel der Saison - beim 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt - markierte er sämtliche Treffer und war damit der erste ausländische Schütze überhaupt, dem ein solcher Coup in der Beletage des deutschen Fußballs gelang. Gleichzeitig empfahl er sich weiterhin durch seine Leistungen für die isländische Nationalmannschaft, für die er 70 Spiele bestritt und deren Kapitän er lange Zeit war.

Dass Fortuna bis heute nur zwei Isländer in ihren Reihen hatte, lag zumindest an dem damals noch nicht so weit entwickelten Fußball auf dem nordischen Eiland. Doch er und die isländische Nummer zwei bei den Flingeranern, Petur Ormslev, spielten immerhin vier Jahre gemeinsam im Fortuna-Trikot.

Seine letzte Partie für Fortuna bestritt Edvaldsson ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Fünferpack im Juni 1985 im Stadion an der Castroper Straße, wo Fortuna mit 0:1 unterlag - ausgerechnet in Gerd Zewes 400. Spiel.

Edvaldsson ging noch bis 1994 auf Torejagd, schloss sich unter anderem Bayer Uerdingen für drei Jahre und kurzfristig auch der TuRU an. Nach seiner aktiven Zeit verdingte sich der studierte Diplom-Sportlehrer als Trainer einiger Clubs in seiner Heimat. Von 1999 bis 2003 wurde er der Nationalcoach Islands und nicht wenige Experten sehen es als sein Verdienst an, dass er das Fundament für das mittlerweile beachtliche Renommee des kleinen Inselstaats geschaffen hat. Gleichzeitig führte er die Agentur einer deutschen Versicherung - auch ein Grund, weshalb er den Kontakt zu Deutschland nie verlor. Immer wieder kehrte er gern in seine alte Wahlheimat zurück - beispielsweise, um sich Spiele der Fortuna anzuschauen oder Einladungen zu den legendären Autogrammbörsen im Pestalozzi-Haus mit alten Weggefährten zu folgen. Geradezu wehmütig meinte Atli Edvaldsson einmal: "So gerne ich in Island bin: Wenn ich hierherkomme, dann ist das immer noch wie mein Zuhause."

Atli Edvaldsson hinterlässt vier Kinder. Sein Sohn Emil Atlason, kurzzeitig bei Preußen Münster unter Vertrag, spielt für den isländischen Erstligisten HK Kopavogs. Seine Tochter Sif Atladóttir ist in Schweden bei Kristianstads DFF unter Vertrag und isländische Nationalspielerin.

"Die Fortuna-Familie trauert um einen verdienstvollen, beliebten und liebenswerten Menschen, der die Fans bis zuletzt nicht nur auf dem Platz zu begeistern wusste", sagt Fortunas Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann, "in dankbarer Erinnerung wird Atli Edvaldsson ein ehrendes Andenken bewahrt. Unser tiefstes Mitgefühl gilt seiner ganzen Familie."

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