18.03.2020 | Verein

„Der Grundgedanke der Solidarität muss erhalten bleiben“

Thomas Röttgermann zu Gast bei „Fortunen fragen, Fortunen antworten“

Am Dienstagabend nahm sich der Vorstandsvorsitzende Thomas Röttgermann Zeit für die Fragen der Fortuna-Fans. Aufgrund der aktuellen Situation rund um den Coronavirus war Röttgermann beim Live-Talk „Fortunen fragen, Fortunen antworten“ zu Gast und beantwortete auf der Facebook-Seite des Traditionsvereins Fragen, die Anhänger der Rot-Weißen in den Kommentaren stellen konnten. www.f95.de fasst seine wichtigsten Aussagen zusammen.

Thomas Röttgermann über…

…die Absage des Paderborn-Spiels:
„Die Situation hat sich im Laufe des Tages entwickelt. Wir haben erfahren, dass Paderborns Trainer Steffen Baumgart krank im Bett lag und zwei Spieler aufgrund von Symptomen gar nicht erst mit nach Düsseldorf gefahren sind. Daraufhin haben wir auf die Absage gedrängt, weil es mit diesem Hintergrund eine konkrete Gefährdung für unsere Spieler gegeben hätte. Zuvor wurde bereits das Montagsspiel zwischen Bremen und Leverkusen abgesagt und wir waren der Meinung, ein zerstückelter Spieltag wäre keine gute Variante gewesen. Unser Vorschlag war daher, den ganzen Spieltag abzusagen. So hat die DFL letztendlich auch gehandelt.“

…finanzielle Auswirkungen für die Bundesliga-Clubs: „Wir wollen nicht, dass Vereine durch falsche Entscheidungen in der aktuellen Ausnahmesituation in Existenznot geraten. An den Bundesliga-Vereinen hängen außerdem insgesamt knapp 60.000 Arbeitsplätze, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Montag auf seiner Pressekonferenz unterstrichen hat. Das dürfen wir nicht vergessen. Dennoch muss in dem Moment, in dem eine Erkrankung auftritt, der wirtschaftliche Aspekt in den Hintergrund treten.“

…die Szenarien von Spielen ohne Zuschauer oder einem Saison-Abbruch: „Beide Szenarien sind wirtschaftlich herausfordernd. Bei Spielen ohne Zuschauern fehlen Einnahmen und Dauerkarten müssten anteilig zurückgezahlt werden. Darüber hinaus würde der Dauerkarten-Verkauf für die neue Saison nicht so gut laufen, wie gewohnt. Wer schon einmal ein Spiel ohne Zuschauer im Fernsehen gesehen hat, weiß außerdem, dass es ohne jegliche Stimmung ermüdend ist. Doch ein Abbruch der Saison darf keine Alternative sein. Es würden Gelder aus dem TV-Bereich fehlen, zudem würden die Vereine Sponsorenleistungen nicht komplett erfüllen und müssten sich auf Rückzahlungen einstellen. Bei diesem Szenario wäre beinahe jeder Verein in der Bundesliga überfordert, denn für so einen Fall kann man keine Vorsorge treffen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen haben wir zehn Millionen Euro Eigenkapital und sind nicht verschuldet, aber auch wir könnten dieses Szenario ohne außergewöhnliche Maßnahmen und Hilfe von außen nicht stemmen. Wir müssen alles daransetzen, dass die Saison zu Ende gespielt wird.“

…das Verschieben der Europameisterschaft auf 2021: „Das Ziel muss lauten, so spät wie möglich wieder in den Liga-Betrieb starten zu können. Und das geht nur, wenn andere Veranstaltungen wie die EM Termine räumen. Für unseren zeitlichen Spielraum war es eine Voraussetzung, dass die EM verschoben wird. Daher war die Verschiebung ein wichtiger Schritt.“

…mögliche Bundesliga-Spiele im Free-TV: „Das wäre sicherlich ein Entgegenkommen für die Fans, die nicht im Stadion dabei sein können. Allerdings ist es rechtlich keine einfache Situation. Die DFL muss daher mit allen Beteiligten Gespräche über Möglichkeiten führen. Prinzipiell sollten Fans die Möglichkeit haben, Spiele ohne Zuschauer im Internet oder im Fernsehen zu verfolgen.“

…Solidarität: „Dieses Stichwort kann man in der aktuellen Situation auf alle Bereiche anwenden – nicht zuletzt beispielsweise durch Schüler, die älteren Mitmenschen bei ihren Einkäufen helfen. Auch in der Bundesliga müssen wir solidarisch sein. Es gibt starke Clubs, die solche Krisen besser aushalten können, als die schwächeren Vereine. Natürlich sind wir Konkurrenten, aber jeder braucht einen Gegner, um spielen zu können. Daher ist Solidarität in dieser Zeit wichtig. Wir sind noch lange nicht in der Situation, dass ein Verein einem anderen helfen muss – aber dieser Grundgedanke muss erhalten bleiben.“

…Maßnahmen des Vereins für seine Mitarbeiter: „Seit Anfang der Woche befinden sich beinahe alle Mitarbeiter im Homeoffice. Wir haben alle mit notwendigen Verhaltenshinweisen versorgt und sind in allen Bereichen gut informiert. Ich glaube, dass wir unsere Mitarbeiter gut geschützt haben und keiner muss sich sorgen um seinen Job machen. Unser Empfang und die Hotline sind nach wie vor besetzt – da kann es aktuell aber zu Wartezeiten kommen, für die wir um Verständnis bitten.“

…den Umgang der Spieler mit der aktuellen Situation: „Unsere Spieler merken, dass wir die letzten Entscheidungen auch in ihrem Sinne getroffen haben. Dass wir die Partie gegen Paderborn abgesagt haben und sie aktuell alleine zuhause trainieren, dient ihrem Schutz – wenngleich es in einem Mannschaftssport natürlich nicht optimal ist. Wichtig ist, dass wir nicht im Urlaub, sondern mitten im Spielbetrieb sind. Wir können uns nicht entspannen, sondern bereiten uns darauf vor, so schnell wie möglich wieder zu spielen. Das Trainerteam tut alles, um die Spannung hochzuhalten. Alle Spieler haben Trainingspläne mitbekommen.“

…Herausforderungen in der Kaderplanung für die neue Saison: „Normalerweise würden wir in der aktuellen Phase Spieler scouten – da keine Spiele stattfinden, greifen wir auf Videomaterial zurück. Natürlich muss die Kaderplanung weitergehen, für beide Ligen. Dazu gehört auch, dass wir mit den Spielern sprechen, deren Verträge auslaufen.“

…die Unterstützung der Fortuna-Fans: „Auch ohne Unterstützung im Stadion spürt man, dass die Fortuna-Fans da sind. Wir kriegen viele Zuschriften, Briefe und Mails, die uns Mut für die Zukunft machen. Wir müssen trotz allem zusammenrücken und werden es aus der aktuellen Situation gemeinsam raus schaffen. Das macht die Fortuna aus.“

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