10.06.2021 | Verein

Fortuna Düsseldorf trauert um Fred Hesse

Ehemaliger Kapitän im Alter von 78 Jahren verstorben

Fred Hesse, langjähriger Kapitän der Fortuna und von 1966 bis 1977 582 Mal im Einsatz, ist nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben, wie seine Familie bekanntgab.

Elf Spielzeiten lang, von 1966 bis 1977, war Fred Hesse Spieler bei den Fortuna-Profis. Der gebürtige Düsseldorfer, Jahrgang 1942, hatte auf der Straße das kleine Einmaleins des Fußballs erlernt, ehe er sich noch zu D-Jugendzeiten Alemannia 08 anschloss. Auf dem alten Platz der Rot-Weißen entwickelte er sich zu einem veritablen Halbstürmer, was beim anderen Verein am Flinger Broich, etwas weiter östlich, steigendes Interesse weckte.

Seine Mitgliedschaft bei Alemannia ruhte, als Hesse in Buxtehude seinen Wehrdienst als Funker ableistete und mit dem ortsansässigen SV in die höchste Hamburger Amateurliga aufstieg. Nach seiner Rückkehr wollten die Fortunen ihn noch einmal inspizieren. Doch bei einem sogenannten Sichtungsspiel bei TuRU zog sich Hesse eine schwere Verletzung zu und war ein Vierteljahr zur Zwangspause verdonnert. Trotzdem stand er weiterhin im Fokus und Trainer Kuno Klötzer suchte eigens mit dem damaligen Präsidenten Bruno Recht im Frühjahr 1966 Hesses Elternhaus auf. Doch sehr zur Verwunderung der beiden reagierte der so Umworbene eher zögerlich: „Meine Eltern haben mir sehr lange zureden müssen, denn ich hatte einen guten Beruf, fühlte mich bei Alemannia bestens aufgehoben und wollte daher eigentlich gar nicht wechseln.“

Umworben, aber im Zweifel
Hesse wusste, dass durch die damaligen Amateurstatuten sein Wechsel eine Sperre nach sich ziehen würde. Als er endlich eingewilligt hatte und bei Fortuna unter Vertrag stand, musste er sich noch bis Anfang September 1966 gedulden, ehe er am 3. Spieltag endlich zum Einsatz kam. Wegen seiner Athletik, aber auch seiner Übersicht im Spiel war Hesse inzwischen zur Defensivkraft umgeschult worden.

Fred Hesse spielte plötzlich Bundesliga und vor 42.000 Zuschauern – und das Debüt-Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Rheinstadion ging zwar mit 2:4 verloren, doch der Newcomer hatte sich bestens empfohlen und wurde mit 27 Einsätzen in dieser Saison auf Anhieb zum Stammspieler. Dennoch stand am Ende der Spielzeit der Abstieg in die Regionalliga West.

Der Marschrichtung der Verantwortlichen, alsbald wieder zurückkehren zu wollen in den Kreis der Besten, vertraute Hesse – und hielt trotz verlockender Angebote anderer Vereine Fortuna die Treue. Er interpretierte den Part eines Abwehrchefs nicht nur mit kompromisslosem Einsatz, sondern durch seinen Spielwitz, der oft der Initialfunke für vielversprechende Konter wurde. Er war hart gegen sich selbst und gegen andere, aber nie unfair. Das wussten auch seine Gegner respektvoll anzuerkennen.

Die Rückkehr in die oberste Klasse ließ zwar drei Jahre auf sich warten, aber Hesse war einer der Schlüsselspieler, der die zweite Bundesliga-Phase umso erfolgreicher mitbestimmte. Als „Mister Zuverlässig“ machte er sich als eine der tragenden Säulen unentbehrlich in einer Mannschaft, die mit Bravour die Bundesliga-Qualifikation absolvierte. Für noch überraschender hielten es viele Experten, dass Fortuna sich in der Beletage etablierte und gleich zweimal hintereinander als Dritter in der Liga-Abschlusstabelle im UEFA-Pokal (heute Europa League) spielte.

Der Trainer, der Kapitän und das Team
Fortuna verstärkte sich unterdessen auf allen Positionen, doch Fred Hesse blieb unumstritten in der Stammelf. Unter Heinz Lucas war er der verlängerte Arm des Trainers auf dem Spielfeld. Durch seine professionelle Einstellung war er zum Vorbild für die Mitspieler erwachsen. Hesse war kein Schönwetterspieler, sondern agierte solide, schnörkellos, aber sehr effektiv. Ganz nebenbei gingen 16 Tore in 297 Ligaspielen auf sein Konto.

Zum Publikumsliebling wurde Hesse, weil er auch abseits des Platzes immer sehr nahbar und natürlich auftrat – bis zuletzt. Denn Bodenständigkeit war eine seiner Charaktereigenschaften, die auch sein ehemaliger Mannschaftskollege Peter Biesenkamp überaus schätzte: „Wenn du ganz normale Typen wie Fred in der Mannschaft hast, dann ist kein Platz für Star-Allüren. Da dreht keiner ab. Und dann kannst du als Team auch so richtig was bewegen.“

Was auf eindrucksvolle Weise gelang. Auf besondere Spiele in seiner Karriere angesprochen, erinnerte Hesse sich sichtlich gerne: an den 5:1-Erfolg im Derby gegen den 1. FC Köln 1973/1974, das 6:5 über Bayern München im Jahr darauf oder den 5:1-Sieg im Juni 1976, als der 1. FC Kaiserslautern zu Gast war. Bei den Spielen auf internationaler Ebene setzte Fred Hesse einen ganz besonderen Akzent. Denn gleich im ersten Auftritt der Flingeraner im europäischen Vereinswettbewerb, im September 1973, war es Fred Hesse, dem der erste Treffer für die Fortunen und gleichzeitig 1:0-Siegtreffer über den dänischen Vertreter Næstved IF gelang.

Verletzung, Karriereschluss, Trainererfolg und Undank
Als Fred Hesse im Spiel gegen Uerdingen im April 1976 nach einem schweren Foul ausgewechselt werden musste, diagnostizierten die Ärzte zunächst Bänderrisse im Fuß und rieten zu einer sofortigen Operation. Fortuna befand sich jedoch im Abstiegskampf und Interimscoach Manfred Krafft bekniete den Mannschaftskapitän, den Eingriff doch noch aufzuschieben, um die Mannschaft unterstützen zu können. Mit schmerzstillenden Spritzen und dennoch unter Qualen hielt Hesse die letzten sieben Spieltage durch. Fortuna hielt die Klasse.

Mit seinen mittlerweile 33 Jahren war Hesse trotzdem noch in Topform und wollte eine ganze Weile weiterspielen, seine ganze Kraft in den Dienst der Fortuna stellen – fatalerweise zu seinem eigenen Nachteil. Denn die Verletzung vom April war komplizierter als gedacht, der Knöchel ebenfalls erheblich lädiert und die anschließende Ausheilung zwang „Mr. Zuverlässig“ zu längeren Pausen. Unter Trainer Dietrich Weise bekam er in der Saison 1976/1977 gerade einmal noch 13 Einsatzzeiten, ausnahmslos in Freundschaftsspielen.

Hesse sah sich abgehängt, zog die Konsequenzen und beendete seine Profi-Laufbahn. Typisch für ihn in seiner bescheidenen Art, dass er dorthin zurückkehrte, wo er einst das Spiel erlernt hatte – zur Alemannia. Gleichzeitig verdingte er sich als Maler und Lackierer bei der Stadt. Dem Fußball und vor allem Fortuna wollte er allerdings auch weiter treu bleiben. So schlossen sich viele erfolgreiche Jahre als Jugendtrainer an. Unter ihm schafften nicht weniger als 28 Spieler den Sprung in die Bundesliga – darunter Jörg Schmadtke, Günter Thiele, Holger Fach oder Michael Preetz.

Ein Rekord bis heute: Die A1-Jugend wurde 1992/1993 mit ihm Niederrheinmeister und nahm zum bis heute letzten Mal an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teil. Ein Erfolg, der auch für seine ehemaligen Schützlinge bis auf den Tag unvergesslich geblieben ist. Doch gereichte ihm sein Einsatz für Fortuna nicht zu dem Dank, den er verdient und sich insgeheim erhofft hatte. Eines Tages teilte man ihm mit, dass die Rot-Weißen zukünftig ohne ihn planen. Keine Begründung, keine Aussprache, ein würdeloser Abschied.

Doch Fred Hesse wusste stets zu differenzieren und hatte mit Fortuna daher nie ganz gebrochen. Bei Treffen mit Ehemaligen war er stets ein gern gesehener und beliebter Teilnehmer und hatte bis in die Gegenwart seine Anhänger, die sich seiner großen Leistungen bei Fortuna erinnerten.

Mit insgesamt 582 Einsätzen (36 Tore) auf nationaler und internationaler Ebene gehört Fred Hesse zur Top-Five aller Spieler, die jemals im Trikot von Fortuna gespielt haben. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen.

Benno Beiroth, langjähriger Spieler-Obmann, Ehrenmitglied und Wegbegleiter von Fred Hesse:
„Ich bin zutiefst betroffen, denn Fred war nicht nur ein guter Spieler und Trainer, sondern ein aufrichtiger und geradliniger Mensch, dem ich mich freundschaftlich verbunden fühlte. Er hinterlässt eine große Lücke in der Reihe der Alt-Fortunen.“

„Die Fortuna-Familie trauert um ihren langjährigen Kapitän und einen wunderbaren Menschen. Fred Hesse war ein wichtiger Spieler und besondere Persönlichkeit für den Verein, die sich bis ins hohe Alter mit der Fortuna identifiziert hat. Trotz seiner schweren Krankheit war er stets lebensfroh und nahm an den Treffen der Alt-Fortunen teil. Unser Mitgefühl gilt nun seiner Familie und Freunden“, so Klaus Allofs, Vorstand Fußball & Entwicklung, Kommunikation und CSR.

Fred Hesse gilt es angesichts seiner Verdienste auch zukünftig ein ehrendes Andenken zu bewahren. Tiefe Anteilnahme und die Gedanken aller Fortunen sind bei dem Verstorbenen, das Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihn kannten und schätzten.

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