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11.06.2013 | Verein

Heute vor 80 Jahren: Fortuna Düsseldorf wird Deutscher Meister!

3:0-Erfolg im Endspiel gegen den FC Schalke 04

Es war und ist bis heute einer der größten Erfolge in der 118-jährigen Vereinsgeschichte des „Düsseldorfer Turn- und Sportvereins Fortuna 1895 e.V.“ und der bislang einzige Titel als beste Mannschaft in Deutschland: Am 11. Juni 1933 besiegte die Fortuna im Finale um die Deutsche Meisterschaft im Müngersdorfer Stadion in Köln den seinerzeit klar favorisierten FC Schalke 04 deutlich mit 3:0.

Auf dem Weg dorthin fegten die Mannen von Trainer Heinz Körner alles beiseite, was sich ihnen in den Weg stellte: Gegen Vorwärts RS Gleiwitz gab es ein 9:0, bei Arminia Hannover ein 3:0 und Eintracht Frankfurt kassierte ein 4:0. Rekordverdächtig ist, dass die Flingeraner keinen Gegentreffer in der Endrunde kassierten.

 

Zumindest die Namen der Männer, die damals durch ihre Tore für den Erfolg sorgten, sollte jeder Rot-Weiße kennen: Felix Zwolanowski, Paul Mehl und Georg „Schorsch“ Hochgesang sicherten mit ihren Treffern den Titelgewinn und holten damit die Siegestrophäe, die nach der römischen Siegesgöttin benannte „Victoria“, an den Flinger Broich. Ganz nebenbei wurde das Trio mit jeweils fünf Treffern gemeinsam Zweiter in der Torschützenliste. Nur Karl Ehmer aus Frankfurt konnte ein Tor mehr erzielen.

 

Ein ganz „normaler“ Arbeitstag

Rückblende: Am höchsten Feiertag in der Vereinsgeschichte gingen mehrere Fortunen zunächst ihrem Beruf nach - und das ohne Ball. Der Sonntag war damals eben für viele ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag. So stand der gelernte Anstreicher Felix Zwolanowski schon früh morgens auf der Leiter. Einige Stunden später sollte er, für ihn passend und somit sehr unprätentiös, in die Notizblöcke der Journalisten diktieren: „Irgendwie war der Ball dann drin!“ So jedenfalls ist Zwolanowskis Schilderung seines Treffers zum 1:0 überliefert, der sich als echter „Flingeraner Jong“ in seinen Anfängen noch als klassischer Straßenfußballer seine Sporen verdiente.

Der zweite Treffer gegen Hermann Mellage, den Torhüter der „Knappen“, gelang Paul Mehl. Auch er stand lange vor der Abfahrt der Mannschaft nach Köln in der elterlichen Wirtschaft beim Frühschoppen am Zapfhahn. So trafen nach und nach mittags um 12 Uhr alle Spieler am Worringer Platz ein.

Die Gelsenkirchener waren da schon ausgeruht und bestens vorbereitet von ihrem Trainingslager in Haltern am See an der nördlichen Ruhrgebietsgrenze in die Domstadt gereist.

 

Kein Zaubertrank, dafür aber ein genialer Psycho-Trick!

Um der immer stärker um sich greifenden und regelrecht spürbaren Nervosität Herr zu werden, hatte Fußball-Obmann Toni Rudolph, dem der legendäre „Benrather Hof“ auf der Königsallee gehörte, eine Idee. Der Gegenwehr von Trainer Heinz Körner zum Trotz („Die Mannschaft muss sich doch sammeln!“) ließ er die Spieler nach der Ankunft am Stadion nicht durch das abgeschirmte Marathontor den Weg zu den Kabinen nehmen, sondern schickte sie kurzerhand über die Aschenbahn ins Stadion - vorbei an etwa 20.000 mitgereisten und frenetisch jubelnden Düsseldorfern. So wollte er einerseits das Publikum in Stimmung bringen und andererseits der Mannschaft neues Selbstvertrauen mitgeben. „So Jonges, jetzt kann nix mi scheev jonn“, erklärte er in der Kabine. „Ihr wißt, de Lück ston henger uns, dat es so jot wie zwei Tore.“ Auf seine muntere, rheinische Art machte er den Spielern Mut, während der gebürtige Wiener Körner in seiner ihm eigenen stoischen Ruhe taktische Anweisungen gab.

Es sollte sich als die genau richtige Mischung erweisen!

 

Ein Spiel wie aus einem Guss

Zwar begann Schalke druckvoll und suchte die Offensive, doch in der elften Spielminute nahm Zwolanowski im gegnerischen Strafraum den Ball an, um nach einer blitzschnellen Drehung Torhüter Mellage mit einem Schuss zu düpieren.

Das Endspiel geriet danach zu einem rot-weißen Fußballfest, in dem sich die Düsseldorfer in einen wahren Rausch spielten. Nach diesem frühen Führungstreffer drängten die Schalker zwar nach der Pause vehement auf den Ausgleich, doch mit Glück und Geschick verteidigten die Fortunen ihre Führung. In der 70. Spielminute schloss Mehl eine Traumkombination mit einem Volleyschuss zum 2:0 ab. Hochgesang machte wenig später mit dem dritten Treffer endgültig alles klar. Der Deutsche Fußball-Meister hieß 1933 erstmals Fortuna Düsseldorf.

 

Leere Hotelbetten und kostenlose Lebensmittel

„Die bestellten Betten im Hotel waren umsonst. Wir haben in dieser Nacht kein Auge zugemacht“, sagte Felix Zwolanowski später im Rückblick auf die Meisterfeier in einem Kölner Hotel.

Die Prämie für den Titelgewinn fiel damals freilich noch etwas spärlich aus. Von Reichtümern konnte wahrhaft nicht die Rede sein. Dafür erhielten die Meisterspieler andere Zuwendungen: Neben den obligatorischen Meister-Zigarren durften sie sich eine Zeit lang in Metzgereien kostenlos versorgen und auch Brötchen wurden frei Haus geliefert.

 

Dass diese Mannschaft ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl besessen haben muss, sieht man nicht nur an den sportlichen Erfolgen (Vize-Meister 1936 und Vize-Pokalsieger 1937). Viele Akteure blieben der Fortuna auch Jahrzehnte später treu - und kickten beispielsweise regelmäßig im so genannten „Montagsclub“. Sie waren zwar inzwischen eine veritable Altherren-Mannschaft, aber Spieler wie Ernst Albrecht, Jakob Bender, Theo Breuer, Paul Janes, Stanislaus Kobierski, Schorsch Hochgesang oder Felix Zwolanowski bewiesen auch in fortgeschrittenem Alter, dass sie Fußballer von ganz herausragendem Format waren.

 

Die Meister-Mannschaft von 1933:

Neben den drei genannten Torschützen seien auch die anderen, die an diesem Tag auf dem Feld gestanden haben, namentlich erwähnt - und auch hier wissen Fortunen, die sich ein wenig für die Geschichte des Vereins interessieren, die meisten einzuordnen.

 

1. Ernst Albrecht: Auch ein echter Flingeraner, der von 1923 bis 1944 für die Fortuna spielte. Im April 1928 war er der erste Rot-Weiße, der für ein Nationalmannschaftsspiel berufen wurde, wovon er durch die Sportnachrichten im Radio erfahren hatte. Der damals 21-Jährige, der als brillanter Techniker galt, erzielte das entscheidende 3:2 gegen die Schweiz - ein Einstand nach Maß. 16-mal kam er danach noch zum Einsatz und erzielte vier Tore. Eine Meniskus-Verletzung hinderte ihn, am Finalspiel in Köln teilzunehmen. Allerdings ist er auf dem offiziellen Mannschaftsfoto mit der „Victoria“ ebenfalls dabei, was seine Bedeutung für das Team deutlich unterstreicht. Der Rechtsaußen gewann mit Paul Janes und Jakob Bender 1937 den „Reichsbundpokal“ und war nach dem Krieg nicht unwesentlich am Wiederaufbau des Vereins beteiligt. Erst 1947 beendete er seine aktive Laufbahn.

 

2. Jakob „Knöd“ Bender: Der Mittelläufer kam 1927 von Alemannia 08, wo bekanntlich auch der heutige Chefcoach und ehemalige Spieler Mike Büskens seine ersten fußballerischen Schritte machte. Bender war von 1927 bis 1941 bei der Fortuna. Er spielte von 1933 bis 1935 in der deutschen Nationalmannschaft und neben der Meisterschaft 1933 war der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien sein größter Erfolg. Ebenso spielte er 1936 im Meisterschaftsfinale, wo Fortuna dem 1. FC Nürnberg aber mit 1:2 unterlag.

 

3. Paul Bornefeld: 1928 kam der gelernte Linksaußen von Solingen-Gräfrath zur Fortuna. Am Flinger Broich wurde er - an der Seite von Paul Janes - zum Abwehrspieler umfunktioniert, was sich auszahlen sollte. Zur Saison 1938/39 verließ er die Rot-Weißen, kehrte aber nur zwei Jahre später wieder zurück und beendete 1944 seine aktive Laufbahn. Nach seinem Karriereende war er ab 1954 zunächst Trainer beim VfL Osnabrück und danach beim VfV Hildesheim, den er in die Regionalliga Nord (zweithöchste Klasse seinerzeit) führte.

 

4. Theo Breuer: Mit 16 Jahren, man schrieb das Jahr 1925, kam er erst auf den Geschmack am Fußball und wurde von einem Freund zum Training der Fortuna mitgenommen. Umso erstaunlicher, dass der Mittelstürmer keine zwei Jahre später zur Stammformation gehörte. Ab 1930 Mannschaftskapitän war Breuer einer der Garanten für den Titelgewinn. Im gleichen Jahr hatte er seine ersten Länderspieleinsätze - die leider auch seine einzigen blieben, da er an einer Knieverletzung laborierte: Als linker Läufer in Duisburg im Oktober beim 8:1-Kantersieg gegen Belgien und zwei Wochen später in Magdeburg beim 2:2-Unentschieden gegen Norwegen. Dennoch blieb er der Fortuna noch bis 1938 erhalten. Ein Wiedersehen gab es nach seiner aktiven Laufbahn, denn er trainierte die Mannschaft der Flingeraner jeweils sechs Monate in den Jahren 1949 und 1960. Später engagierte er sich im Vorstand und erhielt die Ehrenmitgliedschaft.

 

5. Georg „Schorsch“ Hochgesang: Der Franke spielte ab 1921 beim 1. FC Nürnberg und wechselte, weil er als Mechaniker ein gutes Angebot aus Düsseldorf erhalten hatte, 1928 zur Fortuna. Bis dahin war er schon dreimal (1924, 1925 und 1927) Deutscher Meister geworden. Er war zwar nur 1,65 m groß, wusste sich aber mit einer exzellenten Technik stets in Szene zu setzen. Beendete nach dem Titelgewinn seine aktive Karriere und wurde Trainer - unter anderem bei Fortuna von 1946 bis 1948. Wurde nach dem Krieg Sportlehrer und kickte noch mit 90 Jahren selbst. Am 12. Juni 1988 verstarb er in Düsseldorf.

 

6. Paul Janes: Mit 71 Länderspielen noch langfristig der Rekordnationalspieler der Fortuna (bis er 1970 von Uwe Seeler abgelöst wurde). Zudem ist er der einzige Nationalspieler der Fortuna, der bei zwei Fußball-Weltmeisterschaften zum Einsatz kam (1934 und 1938). Er war Mitglied der Meisterelf von 1933 und stand in der Elf, die das Endspiel um den Tschammer-Pokal 1937 in Köln gegen Schalke 04 mit 1:2 verlor. 1936 gehörte er der Elf an, die das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft mit 1:2 nach Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg im Berliner Poststadion verlor. Er spielte von 1930 mit Unterbrechungen bis 1951 für die Fortuna und war Trainer der Fortuna von 1949 bis Oktober 1951. Einer der größten Spieler der Fortuna verstarb im Alter von 75 Jahren in Düsseldorf.

 

7. Stanislaus „Tau“ Kobierski: Ein weiterer Nationalspieler der Fortuna, der insgesamt 26-mal zum Einsatz kam und mit Knöd Bender in Italien 1934 den dritten Platz bei der WM belegte. Er war der erste deutsche Spieler, der ein Tor bei einer Weltmeisterschaft erzielte. Der Linksaußen, dessen Stärken ein gutes Ballgefühl, seine Dribblings und Flanken waren, hatte schon in seinem Geburtsort Küppersteg mit Paul Janes zusammengespielt. Als er nach Düsseldorf übersiedelte, wechselte er für ein Jahr zur TuRU, ehe er sich von 1930 bis 1941 in den Dienst der Fortuna stellte. Nach sowjetischer Kriegsgefangenschaft versuchte er es erneut bei der Fortuna, musste aber wegen einer schweren Verletzung nach vier Spielen seine Karriere beenden.

 

8. Paul Mehl: Worauf man bei der Fortuna schon seit ewigen Zeiten sehnsüchtig wartet, war in den 1930ern vollkommen normal: Auch Paul Mehl stand, zweimal, in der deutschen Nationalmannschaft und nahm an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teil. Im Finale 1933 rückte er für den verletzten Albrecht in die Startelf. Der im niedersächsischen Stuhr Geborene führte bis zu seinem Tod 1972 das sehr beliebte Sportrestaurant Mehl in der Nähe des Hauptbahnhofs.

 

9. Willi Pesch: Auch ein gebürtiger Düsseldorfer, der von 1927 bis 1939 bei der Fortuna spielte. Gewann die Meisterschaft 1933, stand auch im Finale 1936 und hatte auch beim Tschammer-Pokal (heute DFB-Pokal) 1937 das Nachsehen. Galt als der Publikumsliebling seiner Zeit und wusste durch seine umsichtige Art für viel Ordnung in der Abwehr zu sorgen. Pesch wurde 1940 Opfer eines tragischen Straßenbahnunfalls und war der erste der 1933er-Helden, der verstarb.

 

10. Kurt Trautwein: Seit 1928 stand der rechte Verteidiger bis zum Meisterschaftsjahr bei Fortuna unter Vertrag und absolvierte alle vier Endrundenspiele der Saison, die in der Meisterschaft gipfelten. Er kam aus Herrheim in der Pfalz an den Rhein und musste leider nur wenige Monate nach dem Endspielsieg seine Karriere frühzeitig wegen einer hartnäckigen Verletzung beenden. Danach ist die Quellenlage über den 1990 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Abwehrspieler mehr als dürftig. Über weitere Stationen ist nichts bekannt.

 

11. Willi Wigold: Als Halbrechter kam der gebürtige Gerresheimer von 1930 bis 1940 zum Einsatz. Er galt neben Janes als der große Schweiger im Team. War viermal im Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft und erzielte dabei drei Treffer. Er war der Zweite aus der Mannschaft, der im jungen Alter von gerade einmal 34 Jahren beim Russland-Feldzug an der Ostfront verstarb.

 

12. Felix Zwolanowski: Kam 1932 von Rheinfranken zur Fortuna und galt als herausragender linker Flügelflitzer in der Elf. Er war über viele Jahre einer der wichtigsten Stammspieler bei den Flingeranern und streifte sich nach Ende des 2. Weltkriegs als 35-jähriger Routinier noch bis 1949 das rot-weiße Jersey über. Dreimal wurde er für die Nationalmannschaft berufen.

 

13. Heinrich „Heinz“ Körner: Der 1893 in Wien geborene ehemalige österreichische Nationalspieler, der als Aktiver siebenmal Meister wurde, sollte nicht weniger als fünfmal die Fortuna als Trainer betreuen. Nach seiner aktiven Karriere suchte er gleich den Weg ins Ausland, machte Station bei Union Gelsenkirchen, den Stuttgarter Kickers und dem luxemburgischen Club Fola Esch. Ab Juni 1924 übernahm er die Flingeraner erstmals, wo er nur bis Anfang 1925 blieb, um wenige Monate später zurückzukehren. Dieses Engagement sollte drei Jahre dauern, in die 1927 auch der Gewinn der Bezirksmeisterschaft führte, was auch zur erstmaligen Teilnahme der Fortuna an der Deutschen Meisterschaft führte. 1931 wieder Chef an der Seitenlinie am Flinger Broich erfolgte der größte Coup mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, ehe es ihn ein Jahr danach wieder in die Fremde trieb. 1938 löste er dann aber seinen Nachfolger ab und behielt nachweislich bis 1941 sein Amt inne. Alte Liebe rostet nicht, muss sich Körner gedacht haben, als er ab Oktober 1951 abermals als oberster Übungsleiter bei den Fortunen einstieg - bis zum Ende der Saison 1953. Überschlägig hatte der Mann von kleiner Statur insgesamt ein Dutzend Jahre das Sagen und - auch wenn er nicht selbst auf dem Platz stand - wird dabei unvergesslich bleiben.

 

Die Statistik zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1933 gibt es auch unter diesem Link...

http://www.fortuna-duesseldorf.de/historie/sternstunden/meisterschaft-1933/index.htm