23.07.2021 | Verein

Fans und Verein erarbeiten Positionspapier zur WM in Katar

Gemeinsamer Einsatz für Menschenrechte

Verein und Fans haben sich nach Gesprächen und auf Basis der Vereinssatzung auf einen Schulterschluss rund um das Thema FIFA Weltmeisterschaft in Katar geeinigt. Das gemeinsam erarbeitete Positionspapier verdeutlicht die Haltung des Vereins zu diesem vieldiskutierten Thema.

Gemeinsames Positionspapier von Fans und Verein:
 
Der Verein Fortuna Düsseldorf und seine Fans stehen ein für Respekt, Vielfalt und Toleranz. Wir wenden uns entschieden gegen menschenverachtende Verhaltensweisen. So ist es in der Vereinssatzung und dem Selbstbildnis des Vereins festgeschrieben. Und deshalb geht uns alle die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 an.

Seit der Vergabe der WM im Dezember 2010 werden sowohl das Vergabeverfahren als auch die Entscheidung für Katar aus vielfältigen Gründen zu Recht von vielen Seiten, Menschenrechtsorganisationen, aber auch Fangruppierungen länderübergreifend kritisch bewertet. In Katar leben etwa zwei Millionen Arbeitsmigrant*innen. Auf den Baustellen der Stadien haben im Wesentlichen Migrant*innen unter miserablen Arbeitsbedingungen hart gearbeitet. Nach Recherchen des britischen Guardian aus dem Februar 2021 starben seit der WM-Vergabe mehr als 6.500 Arbeitsmigrant*innen – vor allem im Zusammenhang mit Bauarbeiten für die WM. Im Gegensatz dazu gab das WM-Organisationskomitee der FIFA an, dass im gleichen Zeitraum „lediglich“ 34 Menschen auf den WM-Baustellen ums Leben kamen.  

Die offensichtlichen Menschenrechtsverletzungen und die Ausbeutung der Migrant*innen sind nicht akzeptabel und weisen auf grundsätzliche Missstände im Land hin, die weiterhin thematisiert werden müssen. Obwohl das unmenschliche Kafala-System inzwischen formal abgeschafft wurde, kommt es nach wie vor - auch laut Amnesty International - zu schwerwiegenden Verletzungen von Arbeitnehmer*innenrechten.

Die Vergabe der WM an das Emirat im Jahre 2010 wird von Bestechungsvorwürfen begleitet, die auch Teil von Strafermittlungen sind. Nur durch erheblichen Einsatz von Energie und Rohstoffen und die Verlegung der Spiele in den Winter wird es überhaupt möglich sein, die WM dort stattfinden zu lassen.  

Es ist an der Zeit, die Vergabepraxis für Weltmeisterschaften grundsätzlich zu hinterfragen. Es ist dringend notwendig, den Vergabeprozess so zu verändern, dass neben sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische und gesellschaftliche Positionen vergaberelevant werden. Hierbei müssen die Einhaltung der Menschenrechte sowie die Nachhaltigkeit der Veranstaltung notwendige Kriterien werden. Ein geeigneter Weg hierzu könnte aus unserer Sicht die Einbeziehung von NGOs in den Vergabeprozess sein. Im Fall der WM in Katar war dies offensichtlich nicht der Fall.

Wir sind davon überzeugt, dass Veränderungen in Gesellschaften nur von innen erfolgen können. Ein WM-Boykott der deutschen Nationalmannschaft ist aus unserer Sicht kein geeignetes Mittel, um für tatsächliche und nachhaltige Verbesserungen in Katar und notwendige Reformen bei der FIFA zu sorgen. Daher beziehen wir, das heißt der Verein Fortuna Düsseldorf gemeinsam mit seinen Fans, konsequent und eindeutig zu den vorhandenen Missständen Stellung. Wir halten es für absolut notwendig, dass sich der DFB konsequent und dauerhaft für die Achtung der Menschenrechte in Katar einsetzt.

Ferner erwarten wir von den Vertreter*innen des DFB in den Gremien der FIFA ein energisches Eintreten für eine nachhaltige Reform der Vergabepraxis von künftigen Fußball-Weltmeisterschaften.  

Unabhängig davon, ob die WM in Katar stattfinden wird oder nicht, werden wir - der Verein Fortuna Düsseldorf, seine Mitglieder und seine Fans - weiterhin konsequent und weltweit für die Achtung der Menschenrechte eintreten. Wir wollen uns auch weiterhin über dieses Thema bis zur WM austauschen und fordern jeden engagierten Fußballfan auf, sich an diesem Diskurs zu beteiligen. 

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