05.07.2022 | Yesterday

Heiner „Eisenfuß“ Baltes

Der Abwehrspezialist aus einer goldenen Generation

Er galt als Mann fürs Grobe und war damit erfolgreich: Über mehr als ein Jahrzehnt hielt Heiner Baltes für die Fortuna seine Knochen hin. Denn der „Eisenfuß“ war dafür bekannt, dass er als kompromissloser Abwehrspieler austeilen, aber eben auch einstecken konnte. Auf Schwalben oder theatralische Gesten wurde freilich verzichtet – aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar.

Im Rückblick auf seine Laufbahn gibt der selbsternannte „Straßenfußballer“ allerdings offen und ehrlich zu: „Da ich ein rustikaler Spieler war, würde ich heutzutage wohl deutlich mehr Gelbe oder sogar Rote Karten bekommen“.

Zwischen 1970 und 1981 brachte er es als Profi auf 363 Pflichtspiele, in denen ihm 13 Tore gelangen. Darunter waren 25 Europapokal-Partien, sodass er unter allen Akteuren, die jemals ein Pflichtspiel für die Fortuna absolviert haben, mit insgesamt 545 Einsätzen den sechsten Platz einnimmt – ganz knapp vor seinen nicht minder erfolgreichen Mitspielern Fred Hesse und Wolfgang Seel.

Höhepunkte seiner Karriere im F95-Trikot waren der Bundesliga-Aufstieg 1971, der DFB-Pokalgewinn 1979 und kurz zuvor das Erreichen des Europacup-Endspiels.

Vom Düsseldorfer Stadtrand nach Flingern
Von Kindesbeinen an spielte Heinrich Baltes, von allen stets Heiner genannt, für seinen Heimatverein SC Unterbach. Mit der A-Jugend wurde er 1967 Stadtmeister. Dies machte die Verantwortlichen bei der Fortuna – namentlich den damaligen Betreuer Heinz Thomas – auf ihn aufmerksam, denn ein lückenloses Scouting-System wie heute gab es damals nicht. So wechselte er aus dem Düsseldorfer Vorort (Unterbach gehörte noch zu Erkrath und wurde erst 1975 ein Stadtteil der NRW-Landeshauptstadt) an den Flinger Broich.

Nach seiner ersten Saison und seinem letzten Jugendjahr spielte er von 1968 bis 1970 bei den Amateuren. Auch hier stand er seinen Mann, sodass er in der Spielzeit 1970/1971 in der Ersten Mannschaft in der Regionalliga West debütierte – am 25. Oktober 1970 beim 0:0 gegen Viktoria Köln. Spätestens nach dem Bundesliga-Aufstieg in der folgenden Saison gehörte er zum Stammpersonal.

„Der Bundesliga-Skandal hat mir geholfen!“
Wobei sein Debüt im Fußball-Oberhaus für ihn eher ein Zufall war: „Ich hatte riesiges Glück. Der Bundesliga-Skandal hat mir dabei geholfen“, gab er fünf Jahrzehnte später offenkundig zu. „Klaus Senger kam 1971 nach unserem Aufstieg vom FC Schalke 04 zu uns. Da der Verein und damit Senger selbst indirekt in den Skandal verwickelt waren, hatte man bei der Fortuna Angst, ihn spielen zu lassen, weil die Konsequenzen nicht klar waren. So bin ich praktisch über Nacht zu meinem ersten Spiel gekommen!“

Dies war am 14. August 1971 am 1. Spieltag beim FC Bayern München im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße. Für ihn ist es lange nach seinem Karriereende als wäre es erst gestern gewesen: „Da stand ich nun auf dem Rasen inmitten der großen Stars wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller. Da habe ich mir gedacht: ‚Heiner, du kleiner Kerl stehst jetzt hier und spielst Bundesliga’! An das Spiel und das Ergebnis hat er indes weniger gute Erinnerungen: „Wir haben 1:3 verloren. Mein Gegenspieler war Heinz Krauthausen. Zugleich war es bei den Bayern der Beginn einer neuen Ära um die jungen Spieler Uli Hoeneß und Paul Breitner.“

Die „Goldenen 70er“
Doch auch bei der Fortuna sollte sich fortan eine Mannschaft entwickeln, die ein ganzes Jahrzehnt lang zur erweiterten Bundesligaspitze gehörte. Maßgeblich daran beteiligt war Trainer Heinz Lucas mit seiner akribischen Arbeit bei der Kaderplanung, seinen Trainingsplänen und umfangreichen Aufzeichnungen.

Heiner Baltes beschrieb die Erfolgsformel von damals so: „Wir waren als Mannschaft alle bestimmt nicht die besten Fußballer, aber es hat menschlich alles gepasst, zumal wir mit Heinz Lucas, der als Persönlichkeit und mit vielen Einzelgesprächen bei vielen Spielern dafür die Basis gelegt hat, einfach den richtigen Trainer hatten.“

Nationale und internationale Höhepunkte
Immerhin sollte die Fortuna für die missglückte Bundesliga-Premiere von Baltes in den nächsten Jahren gleich mehrfach Revanche nehmen. So gab es gegen die Bayern noch einige torreiche und gleichsam erfolgreiche Duelle. Höhepunkt war zweifelsohne das ruhmreiche 7:1 am 9. Dezember 1978 und zuvor schon der spektakuläre 6:5-Heimsieg am 7. Juni 1975 oder der 4:2-Erfolg am 5. Januar 1974. Dazu bedeuteten die beiden dritten Plätze in der Abschlusstabelle 1973 und 1974 bis dato die besten Platzierungen der Fortuna in ihrer Bundesliga-Historie – stets mit Baltes als Auf- und Abräumer in der Defensive.

Ende des Jahrzehnts gehörten die drei Pokal-Endspiele in Serie (1978 bis 1980) zu seinen sportlichen Höhepunkten – immerhin mit zwei Triumphen 1979 und 1980. Dies hatte zur Folge, dass die Mannschaft einer Doppelbelastung ausgesetzt war, denn unter der Woche standen für die Rot-Weißen häufig Europapokal-Spiele an. Baltes ist im Nachhinein dafür dankbar: „Ich bin in der Weltgeschichte rumgereist, so dass mich diese Zeit vom Naturell her geprägt hat.“

Unvergesslich war für ihn auch der 16. Mai 1979, als er im legendären Europapokalfinale in Basel auf dem Platz stand, und es für die Flingeraner gegen den FC Barcelona nach dramatischem Spiel eine tragische 3:4-Niederlage nach Verlängerung gab.

Einsätze mit dem Bundesadler auf der Brust
Nach seinem Einstand gegen Bulgarien im September 1971 gehörte Baltes dem Kader der deutschen Amateur-Nationalspieler an (23 Einsätze). Ein Jahr später kam er bei den Sommerspielen in München in der deutschen Olympia-Auswahl in allen drei Begegnungen zum Einsatz. Trainiert wurde diese vom Ex-Fortunen Jupp Derwall. Durch seinen Fleiß und seinen Ehrgeiz schaffte er es auch ins Notizbuch von Bundestrainer Helmut Schön. Doch kurz vor seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft warf ihn im Oktober 1972 ein Schien- und Wadenbeinbruch, den er sich im Derby beim MSV Duisburg zugezogen hatte, für längere Zeit aus der Bahn. Aber gemäß seinem Naturell kämpfte er sich wieder zurück.

Eine beeindruckende Serie und ein jähes Karriereende
Von 1975 bis 1980 stand er bis auf eine einzige Ausnahme in jedem Pflichtspiel für die Rot-Weißen auf dem Platz! Das jähe Ende kam allerdings am ersten Frühjahrstag 1981 in der Bundesliga-Partie bei Bayer 04 Leverkusen, wo er sich so schwer verletzte, dass er sich am Saisonende vom Profifußball für immer verabschieden musste.

Der gelernte Autoelektriker arbeitete später noch als Vertreter für den Ausrüster Puma. Aber auch der Fortuna blieb er erhalten: „Wir hatten bis in die 1990er Jahre hinein eine kleine Scouting-Abteilung, die Heinz Lucas ins Leben gerufen hatte. Mit dabei waren neben mir noch Klaus Budde, Fred Hesse und Wilfried Woyke. Wir sind teilweise bis nach Aschaffenburg in den Süden gefahren und haben dann Lucas berichtet.“

Anfang der 1990er Jahre wurde dieses hochkarätig besetzte und erfahrene Team von Experten mit echter „Fortuna-DNA“ unverständlicherweise vom damaligen Vorstand und den Trainern auseinandergerissen. Viele Jahre später gehörte Baltes noch einmal dem Beirat der Fortuna an und hält bis heute den Kontakt zum Verein und vielen ehemaligen Weggefährten.

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