29.10.2010 | Verein

In memoriam - Hermann Lindemann

Der frühere Fortuna-Trainer wäre heute 100 Jahre alt geworden

Zur Saison 1957/58 übernahm Hermann Lindemann als Trainer die Fortuna. Zuvor hatte er bereits beim FSV Frankfurt, Alemannia Aachen und dem Meidericher SV (heute MSV Duisburg) erfolgreich gearbeitet. Knapp drei Jahre lang war er hauptverantwortlich für das sportliche Geschick der Rot-Weißen. Er gehört damit zu den über 50 Übungsleitern, die in der nunmehr 115-jährigen Vereinsgeschichte diesen Job ausgeübt haben.

  • Dezember 1957 - Fortunas Mannschaft kurz vor dem Deutschen Pokalendspiel gegen den FC Bayern München.

  • Von links: Trainer Hermann Lindemann, Franz Josef Wolfframm, Heinz Jansen, Heinz Klose, Hans Neuschäfer, Günter Jäger, Albertz Görtz, Matthias Mauritz, Martin Gramminger, Erich Juskowiak, Karl Gramminger, Rolf Kern, Josef Derwall, Gerhard Harpers, Bernhard Steffen, Herbert Bayer, Betreuer Karl Heidelberger.

Der Auftakt in Düsseldorf verlief für den gebürtigen Osthessen jedoch alles andere als zufriedenstellend. Seine Mannschaft legte gleich einen Fehlstart mit 2:10 Punkten hin. Doch es folgte eine Erfolgsserie von neun ungeschlagenen Spielen. Jedoch mangelte es in jener Spielzeit an Konstanz und so sprang am Saisonende ein enttäuschender 8. Platz heraus. Immerhin schaffte die Mannschaft um Regisseur Jupp Derwall erneut den Sprung ins DFB-Pokalfinale. Dort gab es allerdings am 29. Dezember (!) 1957 in Augsburg eine unglückliche 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München.

Doch unter Lindemann blühte bei der Fortuna in der folgenden Saison vor allem der Angriff der Rot-Weißen auf. 89 Tore in 30 Spielen der Oberliga West sind ein deutlicher Beleg. Am Ende der Spielzeit stand ein dritter Rang, wobei die Fortuna trotz einer besseren Tordifferenz aufgrund des damals noch gültigen schlechteren Torquotienten (!) das Nachsehen gegenüber dem 1. FC Köln hatte und damit die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft knapp verpasste. Beim vorentscheidenden Aufeinandertreffen der beiden rheinischen Rivalen am 5. April 1959 kam es zu einer der spektakulärsten Ereignisse des deutschen Fußballs, ohne dass es sich dabei um eine Spielszene gehandelt hätte. Im mit fast 56.000 Zuschauern prall gefüllten Düsseldorfer Rheinstadion mussten Polizei und Ordner mehrfach das Spielfeld räumen, um die Fortsetzung der Partie zu gewährleisten. Als Fortunas Linksaußen Dieter Wöske bei einer Aktion ins Netz des Kölner Tores rutschte, schnappte Polizeihund "Ajax" beherzt zu - erwischte aber glücklicherweise nur den hinteren Teil seiner Hose... Wöske konnte unverletzt weiterspielen, aber die 3:4-Niederlage auch nicht verhindern. Immerhin erlangte "sein" Foto verständlicherweise Berühmtheit. Wie schon im Vorjahr zogen die Flingeraner ins DFB-Pokalendspiel ein. Erneut gab es in Kassel eine Niederlage und zwar mit 3:4 nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart. Es war bereits die dritte Endspielniederlage im Pokal für die Fortuna - und es sollten bekanntlich noch weitere folgen...

 

Vor der nächsten Saison, 1959/60, stand eine nicht nur zu damaligen Zeiten abenteuerliche Vorbereitung auf dem Programm. Die Fortuna unternahm eine Afrikareise und machte zunächst in der ghanaischen Hauptstadt Accra Station. Nach einigen erfolgreichen Freundschaftsspielen ging es weiter nach Lagos / Nigeria. Trainer Hermann Lindemann urteilte nach der Reise über die Fußballkunst der Afrikaner mit prophetischer Bedeutung: "Versteht es ein Trainer, diese Spieler richtig ... anzuleiten, wird in Bälde mit diesen Ländern zu rechnen sein."* Zwar bis dato noch keine afrikanische Mannschaft Fußball-Weltmeister und sollten Entwicklungshilfe und Fortschritt in Sachen Fußball auf dem schwarzen Kontinent noch Jahrzehnte andauern, so unterstreichen doch die beeindruckenden und erfolgreichen Auftritt der Nationalmannschaften von Kamerun (Viertelfinale WM 1990), Nigeria Viertelfinale WM 1998) und jüngst Ghana (Viertelfinale WM 2010) die These, die Lindemann schon vor einem halben Jahrhundert aufgestellt hatte!

 

Allerdings war die ungewöhnliche Vorbereitung mit ein Grund dafür, dass sich die Fortuna auf heimischem Boden nicht so schnell auf die etwas andere, robustere Spielweise hierzulande umzustellen vermag. Nach 19 Spieltagen bei nur elf Punkten musste Lindemann seinen Hut nehmen. Danach war er noch als Trainer bei Eintracht Braunschweig, beim Duisburger SV, Waldhof Mannheim, Borussia Dortmund und Alemannia Aachen tätig.

 

Hermann Lindemann verstarb am 22. Juli 2002 im Alter von 91 Jahren. Fortuna Düsseldorf wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Zum Foto: Dezember 1957 - Fortunas Mannschaft kurz vor dem Deutschen Pokalendspiel gegen den FC Bayern München.

 

Bildnachweis: Marco Langer, Vereinsarchivar

 

* Aus: "Alles andere ist nur Fußball" - Die Geschichte von Fortuna Düsseldorf, Michael Bolten und Marco Langer, Verlag Die Werkstatt GmbH, Düsseldorf 2005.

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