07.01.2021 | Verein

Eine ganz besondere blau-rote Fan-Freundschaft

15 Jahre „Fortuna Blues“ - von Düsseldorf nach Ipswich und zurück

Am 7. Januar 2006 fand die erste Tour von Fortuna-Fans nach Ipswich statt. Damit ist dieser Besuch eines Pokalspiels quasi das Gründungsdatum einer einmaligen Fan-Freundschaft. Zuvor waren Anhänger der Rot-Weißen aufgrund ihrer Zuneigung zum britischen Fußball zwar schon einmal zu einem Spiel auf die Insel gefahren, doch die Verbindung zwischen ihnen und den „Tractor Boys“, wie die Fans von Ipswich sich selbst nennen, besteht bis heute und hat in der jüngeren Vergangenheit manches Ausrufezeichen gesetzt.

Die erste Fahrt nach England im Dezember 2004 hatte sich Initiator Ulli Münsterberg, seit Jahrzehnten glühender Anhänger des britischen Fußballs, ganz bewusst ausgesucht. Statt der Premier League mit ihren überteuerten Kartenpreisen und einer Stimmung auf den Rängen, die nur noch ein trauriger Abklatsch aus glorreichen Zeichen ist, wollten er und seine über 90 Mitfahrenden „old school football“ - Fußball zum Anfassen. So ging es damals zum unterklassigen FC Brentford. Den Kontakt untereinander hatten die Fortunen im „DiFo“, dem Diskussionsforum im Internet, hergestellt. Aus virtuellen Bekanntschaften entstanden reale Begegnungen von Gleichgesinnten (wenngleich in ihren Diskussionen rund um F95 nicht immer einer Meinung), die eine typische Groundhopping-Tour unternahmen. Halt mal einen anderen Fußball sehen - mal ein anderes Land erleben.

Warum eigentlich Ipswich Town? „Es passte alles!“
Die Tour nach Brentford war ein solch großer Erfolg, dass allen klar war, dass weitere Fahrten organisiert werden müssten. Unter dem Motto „DIFO meets UK“ sollte es im Jahr darauf erneut nach Brentford gehen, doch die „Bees“ qualifizierten sich im FA Cup für die 3.Runde, was kurzfristig den Spielplan und somit sämtliche Reisepläne der Fortunen über den Haufen warf.

Per Zufall entdeckte Münsterberg bei seiner Suche im Internet nach einem anderen Verein den Ipswich Town FC. Seinen Glückstreffer erklärt „Der Hildener“, wie er von allen gerufen wird, so: „In der Saison 1978/79, als wir im Europapokalendspiel in Basel knapp gegen den FC Barcelona verloren, waren die Blues zuvor im Viertelfinale ganz knapp an den Katalanen gescheitert. Es passte einfach alles zusammen!“

Hinzu kam selbstverständlich die Tatsache, dass die Heimstätte des ITFC, die “Portman Road“, noch ein klassisches Fußballstadion ist. Nostalgie pur im Südosten Englands in der Grafschaft Suffolk.

Auch nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass beide Vereine eine bewegte und bewegende Vergangenheit verbindet. Denn so glorreich die Zeiten national und international waren (Ipswich wurde 1978 Pokalsieger, gewann 1981 den UEFA-Pokal und wurde 1981 und 82 englischer Vize-Meister), so trist und erfolglos gestaltete sich die jüngere Vergangenheit vor allem beim englischen Meister von 1962. Nach der Saison 2018/19 stiegen die Blues aus der englischen Championship (2. Liga) ab und spielen seitdem nur noch drittklassig. Und auch die Fortuna hatte sich bekanntlich in der Zwischenzeit für einige Jahre in den Fußballniederungen aufgehalten…

Kurzfristige Routenänderung endet mit stehenden Ovationen
Kurzerhand wurde umdisponiert. So kam es im Januar zum Besuch der Pokalpartie zwischen Ipswich Town und dem FC Portsmouth. Selbstverständlich stand vor dem Anpfiff der obligatorische Besuch eines traditionellen Pubs an, um nicht nur die lokale Biersorte zu testen; vielmehr wollte man mit den einheimischen Fans in Kontakt kommen. Der war schnell bei ein paar Pints hergestellt und im Stadion gab es nach Abpfiff trotz eines enttäuschenden Ausscheidens aus dem Cup „standing ovations“ der abziehenden Massen. Nicht wenigen Fortunen lief da ein kalter Schauer über den Rücken.

Eine stetig wachsende Freundschaft
Ein knappes Jahr später stellte sich gar nicht mehr die Frage, wohin es gehen sollte. Zumal es bereits im Sommer zuvor beim 3:0 der Fortuna gegen Holstein Kiel am Flinger Broich den ersten von zahlreichen Gegenbesuchen von rund 20 Tractor Boys in Düsseldorf gegeben hatte.

Bereits im Dezember 2006 ging es wieder zu einem Heimspiel von Ipswich und danach in den folgenden Jahren immer wieder - meist im Januar aufgrund der hiesigen Winterpause, die der englische Fußball in dieser Form nicht kennt.
Aber auch „away“ standen die Fortunen dem ITFC bei - so bei einem Freundschaftsspiel in Eindhoven (August 2010) oder den Auswärtspartien in London (Februar 2011) und Birmingham (Januar 2013) oder beim gemeinsamen Vorbereitungsturnier beider Vereine in Meppen (Juli 2019).


Egon in England und die Tractor Boys in Flingern
Im Januar 2016 sollte die Reisegruppe der Rot-Weißen prominenten Zuwachs bekommen. F95-Legende Egon Köhnen fuhr mit auf die Insel. Für alle Fans war dies selbstverständlich eine große Ehre und auch der „Eeegon“ hatte auf der Tour viel Spaß, wie er nachher mehrfach versicherte. Insbesondere das Radio-Interview bei der BBC gemeinsam mit Legenden von Ipswich Town war ein weiteres Highlight.
Ein halbes Jahr zuvor hatte es einen bis dato unglaublichen Trip der englischen Supporters nach Düsseldorf gegeben. Im Sommer 2015 waren rund 600 (!) Tractor Boys zur Saisoneröffnung nach Flingern gekommen, denn im Saisoneröffnungssiel trafen erstmals beide Vereine in ihrer nunmehr 126- bzw. 143-jährigen Geschichte aufeinander. Das Ergebnis (4:3) war dabei nur eine Randnotiz, denn bei der anschließenden Fan-Party im Stahlwerk entstanden zahlreiche Begegnungen und Freundschaften, die sich bis heute halten.

Gleiches gilt hoffentlich auch für die mindestens zwei amtlich bekannten und getrauten Ehepaare, die sich auf deutsch-englischer Seite getroffen und ineinander verliebt haben. Fußball verbindet eben!

Wann es wieder Auswärtsfahrten nach England oder nach Deutschland geben wird, hängt neuerdings leider von zwei unwägbaren Faktoren ab, dem Brexit sowie der Corona-Pandemie. Bis dahin ist aber klar, dass diese Fan-Freundschaft aktuell nicht nur ihr 15-jähriges Bestehen feiert, sondern für immer etwas Besonderes sein wird.

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